7. November 2018, 19 Uhr

Rudolf Schottlaender: Deutschsein fünfmal anders. Erinnerungen eines Unangepassten
Lesung und Gespräch mit Dr. Irene Selle und Moritz Reininghaus, den Herausgebern der Autobiografie (Berlin 2017)

Rudolf Schottlaender (1900–1988) resümiert sein ebenso wechselvolles wie standhaftes Leben von den «deutschjüdischen Anfängen im Kaiserreich» über die Weimarer Zeit, die rassische Verfolgung in der Nazizeit, die ihm widerfahrenen Zumutungen des Kalten Krieges in Ost und West bis hin zu den produktiven Jahren in der DDR. Dort war der Philosoph, Altphilologe und Übersetzer jedoch «nur halb willkommen», wurde sicherheitspolizeilich überwacht und entwickelte sich durch seine couragierte Haltung zum Inspirator oppositioneller ­Kreise. Philosophisch von der Stoa, Spinoza und Goethe geprägt, aber auch seinen Zeitgenossen Günther Anders und Hannah Arendt verbunden, verschaffte er seiner kritischen Stimme grenzüberschreitend Gehör. Sein auf Vermittlung, Toleranz und Gerechtigkeit ausgerichtetes Denken ist von überraschender Aktualität.