Mutter und Kind – Madrid 1937, 1937

Mutter und Kind – Madrid 1937, 1937
Mutter und Kind – Madrid 1937, 1937
Tusche, 81 × 59 cm, Kupferstichkabinett SMPK Berlin

Die Beschränkung auf die Halbfigur und die Komposition der hoffnungsvoll aufblickenden Mutter, die das ängstliche Kind an sich drückt, schaffen eine Spannung, die den Betrachter unmittelbar anspricht. Mit diesem Motiv unterstützte Lingner 1937 die Spendenaktion «Milch für spanische Kinder». Und als das Plakat in ganz Frankreich zur Solidarität mit Spanien aufrief, sollen die Spenden sprunghaft angestiegen sein, so dass in kurzer Zeit 800.000 Büchsen Milch für die Kinder im eingeschlossenen Madrid gesammelt werden konnten. Eine ganz ähnliche Mutter-Kind-Gruppe ist auf dem Blatt «Paris 1943» zu finden.

Mein Hof auf dem Darß, 1920, Öl, 56,5x73,5cm, Museum Weißenfels; Foto: Reinhard Hentze, Halle

Mein Hof auf dem Darss, 1920, Öl, 56,5×73,5cm, Museum Weißenfels

Darss/Born

1919-1922

Nach der Demobilisierung lassen sich Max und Lisa Lingner Anfang 1919 in Pommern, auf dem Darß nieder. Lisa Lingner hatte schon im Januar 1918 von einem Teil ihres Erbes in Born eine Büdnerei von zwanzig Morgen Land gekauft.
Max Lingner versucht, sein künstlerisches Schaffen mit dem Leben eines Bauern zu verbinden und damit für beides einen neuen Ausgangspunkt zu finden. Er malt Darß-Landschaften, aber auch Bilder zu religiösen Themen und allegorische Kompositionen. Zunehmend empfindet Lingner die Abgeschiedenheit Pommerns als Isolierung und entschließt sich darum im Frühjahr 1922, den Hof aufzugeben und mit seiner Frau nach Weißenfels zu ziehen.

MONDE, Titelblatt vom 19.9.1931

MONDE, Titelblatt vom 19.9.1931
MONDE, Titelblatt vom 19. September 1931

Von 1930 bis 1935 gestaltete Lingner fast 40 Titelblätter für die von Henri Barbusse herausgegebene Wochenzeitung MONDE. Er zeigte das Leben der Arbeiter in Paris und den Vororten der französischen Hauptstadt, thematisierte Hunger und Arbeitslosigkeit, unterstützte den Kampf gegen Krieg und Faschismus. Seine Illustrationen auf den Titel- und Innenseiten verschmolzen auf besondere Weise mit der typographischen Gestaltung der Zeitung, bestimmten zeitweise ihr Erscheinungsbild. Nach 1935 setzte Lingner seine Arbeit als Pressezeichner für die kommunistischen Zeitungen «l’Avant-Garde» und «l’Humanité» fort und wurde so zu einem «zur täglichen Zeichnung Verurteilten».

Dresden von der Elbe aus, 1908, Aquarell, 14x21,5cm, Museum Weißenfels; Foto: Reinhard Hentze, Halle

Dresden von der Elbe aus, 1908, Aquarell, 14×21,5cm, Museum Weißenfels

Dresden

1908

Nach dem Abitur erhält Max Lingner ein Stipendium der Stadt Leipzig für ein Studium der Malerei an der Dresdener Kunstakademie bei Professor Carl Bantzer (1857-1941). Dresden begeistert den jungen Lingner, Ausstellungen moderner Künstler wie Ferdinand Hodler, Lovis Corinth und Vincent van Gogh beeindrucken ihn. Wichtig ist auch der Einfluss Hans von Marees (1837-1887), der 1908/09 in einer großen Einzelausstellung der Münchener Sezession gleichsam neu entdeckt wird.

1909

Carl Bantzer übernimmt Lingner in sein Meisteratelier und besorgt dem jungen Künstler ein eigenes Atelier. Als erste Arbeit im Meisteratelier entsteht das großformatige Gemälde «Die Liebe».

1912

Für sein Gemälde «Abendlied/ Singende Mädchen» erhält Lingner den «Sächsischen Staatspreis». Das Hauptwerk der frühen Schaffensperiode entsteht nach einem Studienaufenthalt in Brodowin, einem märkischen Dorf nordöstlich von Berlin; es zeigt einen großen Einfluss Ferdinand Hodlers (1853-1918) auf die rhythmische Komposition und Ausführung der Figurengruppe.

1913

Am 11. Dezember heiratet Lingner Marie Minna Elise Arsand (1882-1951), die Tochter des Weißenfelser Schuhfabrikanten August Arsand. Gemeinsam unternehmen sie eine Studienreise nach Paris, London, Brügge, Brüssel und Amsterdam.

1914-1918

Im März 1914 beendet Lingner das Studium an der Dresdener Kunstakademie. Statt der erhofften Künstlerkarriere folgt bereits ab September 1914 die Einberufung zum Kriegsdienst, nach der Rekrutenausbildung ab Januar 1915 zunächst in der Infanterie, dann bei den Seefliegern; im November 1918 Teilnahme am Matrosenaufstand in Kiel.

Arbeiterliebe V, um 1929

Arbeiterliebe V, um 1929
Arbeiterliebe V, um 1929
um 1929, Deckfarben, Tusche, 74,5 × 52 cm, Max-Lingner-Stiftung

Die Gestaltung des Themas «Arbeiterliebe» resultierte aus der Beobachtung junger Arbeiterinnen und Arbeiter in Weißenfels, die Lingner in ihrer natürlichen Schönheit und Würde darstellen wollte. Eine erste Lithographie-Folge zum Thema schickte er an die bekannte Künstlerin Käthe Kollwitz, der das Blatt «am liebsten» war, «wo das Mädchen etwas bekleidet ist und sich das küssende Profil des Mannes gegen ihren Kopf absetzt.» Ab 1928 entstanden verschiedene, auch farbige Varianten des Liebespaares und 1930 war es das Motiv, mit dem Lingner seine Arbeit als Pressezeichner bei der französischen Wochenzeitung «MONDE» begann.

Das Abendlied (Singende Mädchen), 1912

Das Abendlied (Singende Mädchen), 1912
Das Abendlied (Singende Mädchen), 1912
Öl/Leinwand, 131 x 166 cm, Museum Weißenfels

Mit diesem Bild beendete Lingner gewissermaßen sein Studium der Malerei an der Dresdner Kunstakademie. Es entstand während eines Studienaufenthaltes in Brodowin, einem märkischen Dorf nordöstlich von Berlin, und zeigt «singende Mädchen in dem farbigen Vierklang grün, schwarz, rot und kobaltblau.» Lingner bekam für das Gemälde nicht nur reichlich Anerkennung – er wurde mit dem Sächsischen Staatspreis ausgezeichnet -, sondern fand darin auch Motiv und Komposition für sein zukünftiges Werk: Die Darstellung von singenden und tanzenden Frauengruppen sowie von Figuren, die aus dem Bild heraus auf den Betrachter zukommen.

Maimorgen, 1907, Aquarell, 13x22cm, Museum Weißenfels; Foto: Reinhard Hentze, Halle

Maimorgen, 1907, Aquarell, 13x22cm, Museum Weißenfels
Leben und Werk

Leipzig

1888

Am 17. November 1888 wird Carl Franz Max Lingner als fünftes Kind des Holzstechers Maximilian Lingner (1851-1928) und seiner zweiten Ehefrau Pauline, geborene Bonitz (1862-1940) in Leipzig geboren.

1904-1908

Auf Anraten des Vaters und des befreundeten Graphikers und Zeichners Max Klinger besucht Lingner das Abendstudium oder den Abendakt an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig.

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Ausgewählte Werke

MITTWOCH, 19. MÄRZ 2014, 19 UHR

Noachs Kasten, Hiobs Botschaft und anderes aus neuerer Zeit
Jürgen Rennert liest Gedichte

«Mein Land ist mir zerfallen», mit diesem Gedicht schuf der Dichter Jürgen Rennert 1990 eine der ausdruckstärksten poetischen Reaktionen auf das Ende der DDR. Er, der dieses Land im Widerspruch bewohnte, beklagte mit seinem Zerfall den Abbruch der Alternativen, die es trotz allem in sich trug. Doch auch in neuerer Zeit ist der Dichter mit seiner Stimme deutlich vernehmbar, widersprechend, wenn es heißt: «Rien ne va plus!» Seine wichtigsten Veröffentlichungen: «Märkische Depeschen», «Ungereimte Prosa», «Emma, die Kuh und anderes dazu», «Hoher Mond», «Angewandte Prosa», «Dialog mit der Bibel», «Der Gute Ort in Weißensee», «Noachs Kasten» und «Hiobs Botschaft».

Veranstalter Helle Panke e.V. | Rosa-Luxemburg-Stiftung