19. November 2014, 19 Uhr
Radio-Feature 15

Shalom und Sozialismus – Immer bereit!
Israelisch-ostdeutsche Verwicklungen und Verwirrungen

Feature von und mit Charlotte Misselwitz (Deutschlandfunk 2011)

Auch am 9. November diesen Jahres gab es viele Reden, in denen die DDR zum 25. Mal als «zweite deutsche Diktatur» charakterisiert wurde. Das Feature von Charlotte Misselwitz wagt einen anderen Vergleich: Es konfrontiert die Gesellschaft in der DDR mit der in Israel und eröffnet dadurch eine andere, ungewohnte Perspektive auf ostdeutsche und israelische Geschichte.
Der Vergleich beginnt bei den Gruppengesängen, geht musikalisch weiter im fröhlichen Aufbau-Gestus für Geschwistertum im Arbeiter- und Bauernvolk … Yossi B. macht eine Sendung über «Das revolutionäre deutsche Lied» im israelischen Radio. Der Israeli und die deutsche Journalistin stellen fest, dass das zionistische und ostdeutsche Liedgut ähnlich klingen. Yossi, Anfang 20, lebt seit drei Jahren in Berlin. Die Autorin, Anfang 30, hat ein Jahr in Tel Aviv gelebt.
Entlang des akademischen Begriffes «entangled histories» (verstrickte/verhedderte Geschichten) entwickeln sich die Verwirrungen zu einer eigenen Geschichte: Beide Länder haben sich vor 60 Jahren gegründet. Beide begannen als antifaschistische, sozialistische Systeme. Und beide sind heute bekannt für ihre Grenzkontrollen, ihre Geheimdienste, den Bau einer Mauer … (obgleich die eine gegen Eindringlinge von außen, die andere gegen Flüchtende aus dem eigenen Land gerichtet).
Das Feature behandelt biografische, musikalische und historische Parallelen.

12. November 2014, 19 Uhr
Film 6

Blockade
Dokumentarfilm von Thomas Kufus (D 1991, 93 Min)

1941 überfiel Nazideutschland die Sowjetunion. Hitler gab den Befehl, Leningrad «dem Erdboden gleichzumachen». Die Wehrmacht schloss einen Belagerungsring um die Stadt, doch Leningrad konnte verteidigt werden. 900 Tage lang, von September 1941 bis Januar 1944, waren die Bewohner der Stadt eingekesselt. Über eine Million menschen starben an Hunger und Kälte. Jahrzehntelang verdrängt, wurde der Opfer in der Bundesrepublik erstmals am 27. Januar 2014 im Bundestag gedacht. Kufus’ Film brach bereits zuvor das Schweigen, ließ Überlebende zu Wort kommen und zeigte unveröffentlichte Filmaufnahmen aus sowjetischen Archiven. «Blockade» drehte Kufus noch als Autodidakt. Inzwischen ist er als Filmproduzent bekannt («Black Box BRD», «24h Berlin» – Europäischer und Deutscher Filmpreis).