Mittwoch, 18. März 2015, 19 Uhr

Erinnerung an den Gulag in Kasachstan
Vortrag von Dr. Wladislaw Hedeler

Hedeler reiste zu Recherchen über den Gulag zwischen 2001 und 2013 regelmäßig nach Kasachstan. Die Verlegung der Hauptstadt aus Almaty in den Norden, in die Nähe der russischen Grenze, war bereits erfolgt, die Neubewertung der Sowjetepoche hatte begonnen. In Kasachstan kam es nicht—anders als in den baltischen und mittelasiatischen Republiken—zu einem Bruch mit Russland. Die ­Geschichte der Museen in Dolinka und Malinowka ist ein Spiegelbild dieser Umwertung und des Versuchs, kulturelle Identität über eine gesteuerte Erinnerungspolitik zu verankern. Wie dabei verfahren wird, lässt sich auch sehr gut an den Veränderungen im Stadtbild von Karaganda erläutern.

Veranstalter Helle Panke e.v./Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

Mittwoch, 11. März 2015, 19 Uhr

Aus Stroh Gold spinnen
Vortrag von Günter Höhne

Autor und Design-Kurator Günter Höhne (1984–89 Chefredakteur der DDR-Designzeitschrift form+zweck, danach bis 1995 bei der Tageszeitung Neue Zeit) erzählt von zwei Klassikern der industriellen Formgestaltung in der DDR um 1950: von der Suhler Koffernähmaschine FREIA und ihrem Schöpfer, dem genialen «Verdienten Erfinder der DDR» Ernst Fischer (1910–2006), sowie von dem legendären Hellerauer «Menzel-Stuhl». Anhand zweier ostdeutscher bzw. DDR-Industrieprodukte aus den ersten Nachkriegsjahren wird geschildert, wie mit Klugheit, Energie und sozialem Engagement auf dringende gesellschaftliche Bedürfnisse reagiert wurde und zugleich Tugenden zum Tragen kamen, die auch in der DDR-Zeit immer wieder gefragt waren: Aus Stroh Gold spinnen zu wollen (und zu können).

Mittwoch, 4. März 2015, 19 Uhr

Das «falsche» Exil? Westemigranten in der DDR I
Verdächtigung und Verfolgung von Westemigranten in der SBZ/DDR 1945 bis 1953.
Vortrag von Bernd-Rainer Barth

Die Forschungen des Autors stellen einige gängige Erklärungsmuster (Machtkampf zwischen «Moskau-Kadern» und «Westlern») in Frage.
Vergleichende empirische Forschungen in osteuropäischen Archiven und den Unterlagen von SED und MfS zeigen deutlicher als bisher die tatsächliche Gewichtung sowjetischer Vorgaben und realer Handlungsspielräume der SED-Führung. Auch die Rolle Walter Ulbrichts und Wilhelm Piecks in den «Parteisäuberungen» 1948 bis 1956 muss neu bewertet werden—beide wussten von Anfang an um die Unschuld der als «Agenten» diffamierten SED-Mitglieder. Doch warum wurden einige Westemigranten zu Opfern (Franz Dahlem, Paul Merker), während andere auf Seiten der Verfolger agierten (Erich Mielke, Hermann Matern)?