Mittwoch, 29. April 2015, 19 Uhr

Sowjetisches Erbe und Gedenkkultur in Lettland und Litauen
Vortrag von Wolfgang Kil

Wie überall in Ostmitteleuropa haben die baltischen Staaten seit ihrer Loslösung aus der sowjetischen Hegemonie erhebliche Probleme mit ihrer Geschichtsdeutung. Dabei verfügen ausgerechnet diese Länder über einige künstlerisch bedeutende Memorialkomplexe aus spätsowjetischer Zeit. Inwieweit diese überkommenden («ererbten») Deutungsversuche heute einfach belassen, neu interpretiert, ergänzt oder gar «umgedreht» wurden, soll an einigen Fällen aus Riga, Liepaja und Kaunas gezeigt werden. Obwohl sich die gewandelten Geschichtsbilder maßgeblich in den Ausstellungskonzepten zeigen, wird sich dieser Vortrag vor allem mit architektonisch-bildkünstlerischen Fragen der Memorialkultur befassen.

Veranstalter Helle PanKe e.V./ Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

Mittwoch, 22. April 2015, 19 Uhr

Zum Schicksal der Schweiz-Emigranten Paul Bertz, Leo Bauer, Maria Weiterer und Fritz Sperling
Vortrag von Bernd-Rainer Barth

Mit der Untersuchung der Schweizer KPD-Emigrationsgruppe begann im Herbst 1949 die parteiinterne «Säuberung» der Westemigranten. Nach dem Budapester Rajk-Prozesses und der dort enthüllten Rolle des angeblichen «Superspions» Noel Field sollten auch in der DDr Schauprozesse vorbereitet werden. Am Beispiel von vier prominenten Opfern der Noel-Field-Affäre berührt der Autor unterschiedliche Aspekte der «Säuberungspraxis» in der frühen DDR, zeigt aber auch das Spektrum möglicher Haltungen unschuldiger Kommunisten in einer dilemmatischen Situation. Die reale Vorgeschichte der Schweizer KPD-Emigration wird ebenso beleuchtet wie die angesichts divergierender sowjetischer Interessen in Deutschland begrenzten Spielräume der SED-Führung.

Mittwoch, 15. April 2015, 19 Uhr

Die Wandbilder von Josep Renau in der DDR. Perspektiven einer Neubewertung
Vortrag von Oliver Sukrow, M.A. (Heidelberg/München)

Josep Renau (1907–1982) kann in den Bereichen der Fotomontage und des Wandbildes als einer der wichtigsten spanischen Künstler des 20. Jahrhunderts gelten. Nach seinem mexikanischen Exil schuf er auch während seines Aufenthaltes in der DDR (ab 1958) in diesen Medien bedeutende Kunstwerke. Lange in ihrem Denkmalwert angezweifelt, erfahren seine erhaltenen Wandbilder in Halle und Erfurt seit ein paar Jahren neue Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Der Vortrag stellt einige der geplanten und ausgeführten Wandbilder Renaus in der DDR vor und bettet diese in die historischen und ikonografischen Kontexte ihrer Entstehungszeit ein. Eingegangen werden soll auch auf Renaus Beitrag bei der Ausarbeitung einer spezifischen Ikonografie sozialistischer Zukunftsvisionen.