Mittwoch, 27. Mai 2015, 19 Uhr

Zur Rolle der Phantasie im Werk von Hans und Lea Grundig
Vortrag von Oliver Sukrow, M.A. (Heidelberg/München)

In ihrem publizistischen Wirken nach 1945 bemühten sich Hans und Lea Grundig um die Rehabilitierung der von der Ästhetik der 1950er Jahre als problematisch angesehen Kategorie der Phantasie. Dabei betonte Lea Grundig, dass die Phantasie keine Flucht aus der Wirklichkeit darstelle, sondern «ein natürliches, dem Menschen angeborenes Vermögen, seine Umwelt nicht nur in der wissenden Erkenntnis zu durchdringen, sondern sie sich auch in anderen Formen erkennbar zu machen» (1978). Die «Phantasie» war für Lea Grundig eine spezifisch künstlerische Methode des Weltzugangs und der -deutung. Der Vortrag wird zeigen, inwiefern die Phantasie bei den Grundigs in der Traditionslinie der deutschen Romantik und ihrer Sichtweise der Phantasie als «kreatives Vermögen der Anschauung» steht.

Mittwoch, 13. Mai 2015, 19 Uhr
Anlässlich des Kriegsendes vor 70 Jahren

«Ich habe Hitlers Leichnam identifiziert» oder: wie die Dolmetscherin Jelena Rshewskaja Weltgeschichte machte
Feature von Antje Leetz. SFB/ORB 1998

Als im April 1945 die Rote Armee in Berlin einrückt, ist auch ein hübsches, dunkelhaariges Mädchen von 25 Jahren mit dabei. Sie hat den ganzen Krieg mitgemacht, als Gardeleutnant und Dolmetscherin. Am 8. Mai — als die bedingungslose Kapitulation Nazideutschlands unterzeichnet wird — ist sie verantwortlich für ein gerichtsmedizinisches Unikat: Sie trägt in einer kleinen roten Schachtel den Beweis für Hitlers Tod. Es sind die Zähne des Diktators. Jelena Moissejewna Rshewskaja (geb. 1919) entstammt einer jüdischen Familie aus Weißrussland. Der Krieg ließ sie zur Schriftstellerin werden. Die Featureautorin besuchte sie 1998 in Moskau, wo sie heute, 95jährig, immer noch lebt.