26. Oktober 2016, 19 Uhr

Eine Familie zwischen Stalins Terror und Hitlers Krieg
Lesung und Gespräch mit der Autorin Anja Schindler · Moderation: Dr. Inge Münz-Koenen

Das Buch reiht sich ein in die Reihe der Familiengeschichten, verfasst von der Zweiten Generation, die selbst noch im Exil geboren wurde. Die Autorin konnte sich auf die Briefe ihrer Großmutter stützen, die diese bis zu ihrer Verhaftung nach Deutschland schrieb, sowie auf die Erinnerungen ihres Großvaters und ihrer Mutter, die—anders als die Großmutter und deren Sohn—den Terror des Jahres 1937 überlebten. So liegt eine dicht am Lebensalltag erzählte Kollektivbiographie einer Familie vor, die 25 Jahre das Schicksal der sowjetischen Mehrheitsbevölkerung teilte: in einer kaukasischen Kommune, im terrorisierten Leningrad, im Gulag und schließlich in der kasachischen Verbannung. Archivrecherchen erhellen die Hintergründe des Geschehens.

19. Oktober 2016, 19 Uhr

Kunstkonfontationen auf der Pariser Weltausstellung von 1937
Vortrag von Rosi Huhn (Kunsthistorikerin und -kritikerin, Paris)

Die Weltausstellung 1937 bildet einen Höhepunkt in der internationalen Begegnung und nationalen Repräsentation kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Wie nie zuvor wurden die Künste einbezogen und gefordert in Hinblick auf Fortschrittsdenken, Modernität, Technizität auf der einen Seite, nationalistischen Konzepten und Modellen auf der anderen. Im Wettbewerb der Nationen stoßen Internationalismus, Universalismus, Imperialismus, Nationalismus, Faschismus und Kommunismus in einander entgegengesetzten Kunstkonzepten aufeinander. Jenseits der Versöhnungsstrategien der Ausstellungsmacher tun sich soziale, politische und künstlerisch-ästhetische Konfliktfelder auf. Auf politische Propagandakunst antwortet eine Kunst der Aufklärung, auf Monumentalismus eine ephemere Kunst, auf Idealisierung die Dekonstruktion derselben.

12. Oktober 2016, 19 Uhr

Johannes R. Becher in Paris. Literatur und Politik 1933-1935
Vortrag von Prof. Dr. Dieter Schiller

Während seiner Reisen nach Paris 1933–1935 verfolgte Becher drei Projekte: Einen westeuropäischen Stützpunkt für antifaschistische Literaturarbeit zu schaffen, eine literarische Zeitschrift zu gründen und eine Weltkonferenz der antifaschistischen Schriftsteller einzuberufen. Zustande gekommen ist nur der «Internationale Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur». Trotz dieses internationalen Erfolgs fand Becher bei seinen Moskauer Genossen wenig Anerkennung. Archivmaterial enthüllt, dass er damals als Gescheiterter in die Sowjetunion zurückkehrte und seine Position nur langsam wieder festigen konnte.

in Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

05. Oktober 2016, 19 Uhr

Ein Doppelleben zwischen Pflicht und Neigung.
Der Architekt, Künstler und Kulturpolitiker Kurt Magritz (1909-1992)

Vortrag von Dr. Eckhart Gillen

Kurt Magritz stand lange Zeit im Schatten seiner kulturpolitischen Tätigkeit als Chefredakteur der Illustrierten Rundschau von 1950 bis 1954. In dieser Zeit unterstützte er maßgeblich die von der Sowjetunion angeordnete Kampagne gegen den Formalismus. Kaum jemand weiß jedoch, dass sich hinter der Fassade des linientreuen Kulturfunktionärs ein höchst sensibler Dichter und vor allem ein Maler und Zeichner verbarg, der zwischen 1927 und 1979 ein umfangreiches bildnerisches Werk geschaffen hat. Der Kunsthistoriker und Kurator Eckhart Gillen hat den «Formalisten» Kurt Magritz neu entdeckt: er führte ein Doppelleben zwischen der politischen Anpassung als Kommunist und seiner künstlerischen Überzeugung als Modernist.