25. Oktober 2017, 19 Uhr

Vom Geheimmanuskript zum zensierten Bestseller.
Vor 40 Jahren erschien Sonjas Rapport

Vortrag von Bernd-Rainer Barth

Auf Befehl des sowjetischen Militärnachrichtendienstes (GRU) entstand 1967/68 ein umfangreicher, tabuloser Bericht seiner früheren Agentin Ursula Beurton (Ruth Werner), der nie zur Veröffentlichung bestimmt war. Neben ihrer «Kundschaftertätigkeit» in China, Polen, der Schweiz und Großbritannien, berührt sie auch die tabuisierten «Säuberungen» innerhalb ihres Dienstes in der Stalin-Zeit und ihre eigenen bitteren Erfahrungen als «Westemigrantin» in der frühen DDR. Der konfliktreiche Vorgang, wie aus dem Urmanuskript unter «Betreuung» des Ministeriums für Staatssicherheit bis Oktober 1977 ein Buch entstand, gehört zu den bestdokumentierten Zensurgeschichten der DDR. Wie sich Ruth Werner im Kräftefeld unterschiedlicher sowjetischer und ostdeutscher Interessen behauptete, wirft ein neues Licht auf ihre Person.

18. Oktober 2017, 19 Uhr

Rückschaufehler
Eiko Grimberg zeigt Fotografien aus seinem gleichnamigen Projekt

Wenn die Geschichte stimmt, dass Trümmer des gesprengten Berliner Schlosses in einem Affenfreigehege im Tierpark Friedrichsfelde verbaut worden sind, dann hat die DDR-Administration tatsächlich Humor bewiesen. Auch die Vorstellung, dass aus der Bronze einer eingeschmolzenen Stalinskulptur Flamingofiguren für den Tierpark gegossen wurden oder marmorne Wandverkleidungen der geschleiften Reichskanzlei in der nächsten U-Bahnstation Verwendung fanden, freut sich über diese «Ironie der Geschichte».
Der Künstler Eiko Grimberg stellt sein Projekt Rückschaufehler vor und spricht über urbane Mythen in Berlin nach 1945.

4. Oktober 2017, 19 Uhr

«Ich kam, ich sah, ich werde schreiben»
Lion Feuchtwanger in Moskau 1937.
Eine Dokumentation

Dr. Wladislaw Hedeler im Gespräch mit der Autorin Anne Hartmann

Die gewichtige, im Wallstein Verlag publizierte Studie enthält neben einer Chronik in Briefen, Berichten und Tagebuchaufzeichnungen, die auf Recherchen der Autorin in amerikanischen, deutschen und russischen Archiven basiert, ein ausführliches Vorwort über Vorbereitung, Verlauf und Folgen der Moskaureise des Schriftstellers. Die Untersuchung zeigt, wie es zu Feuchtwangers «pro-bolschewistischem» Buch kam und welche Reaktionen es im Exil und im Kalten Krieg provozierte.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin