21. März 2018, 19 Uhr

Erinnerung an Lothar Kühne 1
Schwingkreise der Erregung
Vortrag von Prof. Dr. Jörg Petruschat (weißensee kunsthochschule berlin)

Welches Potenzial steckt im Konzept der Resonanz, das Lothar Kühne zum exemplarischen Fall ästhetischer Beziehungen erklärt hat — knapp vierzig Jahre bevor der Soziologe Hartmut Rosa die­sem Begriff 2016 zu aktueller Konjunktur verhalf? In Distanz zu Rosas soziologischen Erwägungen weist Petruschat entlang neuester Forschungsprojekte in Design, Robotik, Naturwissen­schaften auf die konzeptionsbildende Kraft der von Lothar Kühne eingesetzten Verbindung der Denkmodelle von Gestaltung und Resonanz hin. Über Kühnes Positionen hinausgehend wird er den Gedanken entwickeln, warum es von Vorteil sein kann, Gestal­tung als Basisprozess aller Erkenntnis- und Wissensproduktion anzu­erkennen.

7. März 2018, 19 Uhr

Über Zeitgeist und Geschichtsschreibung: Buchenwald und seine Nachgeschichte
Vortrag von Dr. Sonia Combe (Paris/Centre Marc Bloch, Berlin)

Ausgehend von dem Fall des «Buchenwald-Kindes», das politische Häftlinge vor seinem Transport nach Auschwitz retteten, untersucht Combe die zweifache Instrumentalisierung dieser Geschichte. Während Stefan J. Zweig in der DDR als Symbol für die Mensch­lichkeit der kommunistischen Gefangenen überhöht wurde, wird er heute auf das Symbol eines von der DDR konstruierten «Mythos ­des Antifaschismus» reduziert. Diese neue Geschichtsschreibung muss sich aber ebenfalls die Frage nach der Unabhängigkeit des Historikers vom herrschenden Zeitgeist stellen lassen.