30. Oktober 2019, 19 Uhr

Heisig malt Schmidt
Vortrag von Kristina Volke (Kunstsammlung im Deutschen Bundestag)

Nach dem Ende seiner Kanzlerschaft wurde Helmut Schmidt 1982 gebeten, einen Maler für sein offizielles Porträt zu benennen. Er entschied sich für Bernhard Heisig, der von den Feuilletons der Bundesrepublik noch zumeist als «Staatskünstler» an­­ge­se­hen wurde. Schmidt ließ sich davon nicht beirren. Nach län­geren Vorbereitungen reiste er 1986 zwei Mal nach Leipzig, um dem Maler Modell zu sitzen. Seine Besuche wurden von der Staatssicherheit aufwändig überwacht. Der Vortrag erzählt von zwei Männern, deren Lebenswege nicht unterschiedlicher hätten sein können und die sie trotzdem zu Wesensverwandten machten.

23. Oktober 2019, 19 Uhr

Mensch–Natur–Technik.
Geschichte und Wiederherstellung des Erfurter Wandbildes von Josep Renau

Vortrag von Dr. Oliver Sukrow (Wien/Mannheim)

Die im September 2019 abgeschlossene Wiederherstellung des Wandbildes Der Mensch in Bezug zu Natur und Technik (1979–1984) des spanischen Künstlers Josep Renau (1907–1982) am Moskauer Platz in Erfurt bietet Anlass, einen neuen Blick auf Entstehung und Kontext des Werks zu werfen. Als letztes monumentales Bild Renaus in der DDR repräsentiert es nicht nur eine biografische Zäsur in seinem Schaffen, sondern markiert auch einen Perspektivwechsel. Der Vortrag präsentiert neue Archivfunde, erörtert die Ikono­grafie, erläutert den Entwurfs- und Herstellungsprozess sowie die denkmalpflegerische Restaurierung des Wandbildes.

9. Oktober 2019, 19 Uhr

Erinnnerung an Lothar Kühne 5
Lothar Kühnes Auseinandersetzung mit Hannes Meyer und der historischen Avantgarde
Vortrag von Prof. Dr. Simone Hain

Mit seinem erneuerten Funktionalismus wurde Lothar Kühne in der DDR zum Bindeglied und zur zentralen Berufungsinstanz einer als ­offenes Projekt verstandenen Moderne. Stand am Anfang die Beschäf­tigung mit der Architektur des Frühsozialismus und mit ­Gottfried Semper, die Kühne zum Historiker werden ließ, wurde später­ die Auseinander­setzung mit Hannes Meyer für sein architekturtheoretisches Denken wegweisend. Der Vortrag rekonstruiert, wie Kühne an die konstrukti­vistische Avantgarde anschloss.
An dem Abend wird zugleich das Lothar Kühne gewidmete Heft 2/2019 von «Berliner Debatte Initial» vorgestellt.

2. Oktober 2019, 19 Uhr

Künstler! Kreativität zwischen Mythos, Habitus und Profession
Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Ruppert

Der Kulturhistoriker beschäftigt sich in einem langfristigen Forschungsprojekt mit der Figur des Künstlers und dessen gesellschaftlichen Umformungen. Im ersten Buch Der moderne Künstler (1998) stand die Ausformung als ein «freier» Beruf im 19. Jahrhundert im Mittelpunkt. Sein neues Buch Künstler! (2018) verfolgt die Kontinuitäten des Künstlerhabitus über das 20. Jahrhundert hinweg, begrenzt auf die Bundes­republik. Es dechiffriert die Künstlermythen und untersucht die künst­lerische Arbeit als Ausdruck von Weltbildern und symbolischer Zeitgenossenschaft. Fallstudien verdeutlichen die epochentypischen Transformationen u.a. von Klee, Beuys, Schlingensief bis Pina Bausch.