Max Lingner (1888—1959)

Lingner malt die Dekoration für das Pressefest von l'Humanité in Garches 1938

Lingner malt die Dekoration für das Pressefest von l’Humanité in Garches 1938

Max Lingner (1888—1959)

In Leipzig geboren, in Dresden Kunststudent entdeckte Max Lingner an der Ostsee die Gesichter von Fischern, in Weißenfels, der Heimatstadt seiner ersten Frau, die von Leuna-Arbeitern. Doch diese Bilder waren bei den Kunstliebhabern jener Zeit nicht gefragt. Von Käthe Kollwitz bestärkt, entschied sich Lingner 1928 Deutschland zu verlassen, um in Paris die künstlerische Avantgarde zu finden, und ohne zu ahnen, «dass sich für ihn in Frankreich ein großer neuer Lebensbereich auftun sollte, aus dem ihm schließlich ungeahnte künstlerische Aufgaben erwuchsen.» Lingner machte sich in den 1930er Jahren als Pressezeichner und Plakatgestalter, u.a. für die Zeitungen Monde und l’Humanité einen Namen. Seit 1934 Mitglied der Französischen Kommunistischen Partei, gestaltete Lingner die politische Ästhetik der Volksfront in Frankreich mit. Im Zweiten Weltkrieg war Lingner in französischen Lagern interniert und arbeitete für die Resistance. Nach 1945 wandte er sich verstärkt der Malerei zu.

1949 kehrte der Künstler in sein Heimatland zurück und wurde in Ost-Berlin Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste und Professor für «Malerei des Zeitgeschehens» an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt fand er in Niederschönhausen, wo er mit seiner zweiten Frau Erika ein Wohn- und Atelierhaus in der neu errichteten Erich-Weinert-Siedlung bezog. Künstlerisch stand Lingner vor einem Neuanfang, denn seine in Frankreich gewachsene Bildsprache wurde in der DDR zunächst als «formalistisch» kritisiert. In gewisser Weise fand Lingners Werk erst nach seinem Tod die gebührende Anerkennung in der DDR. Mit der Rezeption der französischen Moderne Anfang der 60er Jahre wurde auch Lingner in seiner Bedeutung und als Mittler deutscher und französischer Kunst erkannt.

Die durch das Exil gebrochene Biographie, die Spannung von Kunst und Politik und sein internationales Wirken begründen das andauernde Interesse am Leben und am Werk Max Lingners.

Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung vom 30. August 2011

«Der allzu französische Realist»
Berliner Zeitung — Feuilleton / Artikel — BZ-PDF