Max Lingner, Ausschnitt aus Wandbildentwurf für das Haus der Ministerien (heute Bundesfinanzministerium), 1950

Max Lingner, Ausschnitt aus Wandbildentwurf für das Haus der Ministerien (heute Bundesfinanzministerium), 1950

Rückblick – 2014

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Mittwoch, 29. Januar 2014, 19 Uhr

«Fritz Duda — Berliner Maler aus dem Kohlenpott (1904–1991)
20 Jahre Bundesdenkmalpolitik
Vortrag von Werner Röhr zum 110. Geburtstag des Malers am 30. Januar

Den Sohn eines Bergarbeiters prägten die sozialen Erfahrungen und die politischen Kämpfe der Kumpel ebenso wie die Farben seiner Heimat. Duda lernte an der Folkwangschule in Essen (1922–1925) und studierte in Berlin Malerei (1925–1933). Als Kommunist flog er 1933 von der Hochschule, bis 1945 war er ununterbrochen im illegalen antifaschistischen Kampf. Nach einem Neubeginn 1944 — er hatte bei einem Bombenangriff seine Bilder verloren — hellt sich seine Palette auf. Später strahlte die Sonne Bulgariens und Usbekistans in seinen Bildern. Duda ist Kolorist, die Farbe ist ihm der Kern des Malerischen. Fritz Duda gehörte zu den Erstbewohnern der «Erich-Weinert-Siedlung».

Veranstalter Helle Panke e.V. | Rosa-Luxemburg-Stiftung

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Sonnabend, 22. Februar 2014, 16 Uhr

Neujahrsempfang der Max-Lingner-Stiftung
Alle Anwohner/innen und die Freund/innen des Max-Lingner-Hauses sind herzlich eingeladen!
Wie immer mit einem französischen Buffet.
19 Uhr: Das Appartementhaus am Schloß Schönhausen Vortrag von Peter Brenn

Das frühere Gästehaus der Regierung der DDR steht auf historisch bedeutsamem Boden. Schon Zar Peter I. weilte auf seiner Rückreise aus Holland im Schloss. Als etwa 250 Jahre später Leonid Breschnew hier wohnte, logierte ein Teil seiner Delegation im neu erbauten Appartementhaus. Mehr als zwanzig Jahre lang waren hier ausländische Staatsgäste untergebracht. Den Schlusspunkt unter diese Nutzung setzten im Juni 1990 die Zwei-plus-Vier-Gespräche. Nach jahrelangem Leerstand wurde das Appartementhaus vor dem Verfall gerettet und denkmalgerecht saniert.

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Mittwoch, 26. Februar 2014, 19 Uhr

Radio-Feature 13

«Unterschreiben Sie die Petition gegen mich» — Pasternak und die Schwierigkeiten mit dem Weltruhm
Feature von Renate Beckmann

«Ich komme aus einer obskuren Provinz, aus einem Land, das auf Grund einer trennenden Geographie von allen Ländern isoliert ist. Ich war der verlassenste aller Dichter, und meine Dichtung war regional, traurig und regnerisch.» So begann Neruda seine Nobelpreis-Rede 1971. In seinem Leben spiegeln sich Glanz und Elend des 20. Jahrhunderts. Ab 1927 Botschafter seines Landes, wurde er wegen seiner Parteinahme für die Spanische Republik 1936 abberufen. Später mussteer Chile verlassen. Als Allende 1970 Präsident wurde, berief er den Dichter noch einmal zum Botschafter. Nur wenige Tage nach dem Militär-Putsch in Chile starb der Dichter am 23. September 1973.

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Mittwoch, 12. März 2014, 19 Uhr

Heilige Lanzen
Reinhold Andert stellt sein neues Buch vor

Die Heilige Lanze war das wichtigste Herrschaftszeichen der ottonischen Könige und Kaiser. Mit ihr hatte einst ein römischer Soldat den gekreuzigten Jesus in die Seite gestochen, sodass Blut und Wasser herausflossen. Die Lanze war ein Symbol für die von Gott verliehene Macht des Adels. In Wahrheit aber ist sie, wie metallurgischen Untersuchungen ergaben, eine gewöhnliche Schmiedearbeit aus dem 8. Jahrhundert. Sie ist, wie alle Versuche, Herrschaft zu rechtfertigen, eine Lüge. Immer wieder gelang es einer kleinen Elite, die Masse des Volkes mit «Heiligen Lanzen» hinters Licht zu führen und zu beherrschen. Bis heute.

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Mittwoch, 19. März 2014, 19 Uhr

Noachs Kasten, Hiobs Botschaft und anderes aus neuerer Zeit
Jürgen Rennert liest Gedichte

«Mein Land ist mir zerfallen», mit diesem Gedicht schuf der Dichter Jürgen Rennert 1990 eine der ausdruckstärksten poetischen Reaktionen auf das Ende der DDR. Er, der dieses Land im Widerspruch bewohnte, beklagte mit seinem Zerfall den Abbruch der Alternativen, die es trotz allem in sich trug. Doch auch in neuerer Zeit ist der Dichter mit seiner Stimme deutlich vernehmbar, widersprechend, wenn es heißt: «Rien ne va plus!» Seine wichtigsten Veröffentlichungen: «Märkische Depeschen», «Ungereimte Prosa», «Emma, die Kuh und anderes dazu», «Hoher Mond», «Angewandte Prosa», «Dialog mit der Bibel», «Der Gute Ort in Weißensee», «Noachs Kasten» und «Hiobs Botschaft».

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Mittwoch, 26. März 2014, 19 Uhr

«Ilse Stöbe: Wieder im Amt. Eine Widerstandskämpferin in der Wilhelmstraße»
Sabine Kebir und Hans Coppi stellen ihr 2013 erschienenes Buch vor

« … das stolze Überlegenheitsgefühl der Jugend—und natürlich stand vorn im Licht immer Gerda Rohr—war … schön wie die Schönheit der Lieblingskönigin, hinter deren Thron schon der Scharfrichter steht.» Theodor Wolff, Chef des Berliner Tageblatts, schrieb im französischen Exil einen Roman über seine Sekretärin Ilse Stöbe. Die Journalistin arbeitete in Polen und 1940 im Auswärtigem Amt. Sie informierte über den bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion. Ihr Name fehlt auf der Gedenktafel für ermordete Gegner des NS-Regimes im Auswärtigen Amt. Hans Coppi beschreibt unter Nutzung neuer Quellen ihr Leben. Sabine Kebir befasst sich mit Stöbes Bild bei Zeitgenossen und in beiden deutschen Staaten.

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Mittwoch, 9. April 2014, 19 Uhr

Finito. Schwamm drüber
Kathrin Schmidt liest aus ihrem Erzählungsband

Mit «Du stirbst nicht», ihrem ausgezeichneten Roman über die Rückkehr ins Leben nach einer Hirnblutung, hat sich Kathrin Schmidt (geb. 1958) ein großes Lesepublikum erobert. Nach dem Gedichtband «Blinde Bienen», der die Kritik begeisterte, folgte «Finito. Schwamm drüber», ihr erster Band mit Erzählungen. Diese beeindrucken durch die Vielfalt der dargebotenen Perspektiven und Themen sowie durch ihre sprachliche Kraft. Sie spannen den Bogen von der Zeit des geteilten Deutschlands bis in die Gegenwart, führen in Familien und Single-Haushalte, zeigen starke Frauen in schwachen Momenten und Männer, die nie so stark wurden, wie sie sich immer empfanden.

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Mittwoch, 23. April 2014, 19 Uhr

««Weltall-Erde-Mensch»
Hörspiel von Luise Voigt (SWR 2012)

Das Hörspiel der Regisseurin Luise Voigt (geb. 1985) über ihre Geburtsstadt Nordhausen montiert Interviews mit namenlosen Bewohnern der Stadt mit Erkenntnissen aus der Quantenphysik. Entstanden ist ein hochinteressantes Zustandsportrait einer ostdeutschen Provinzstadt rund 20 Jahre nach der «Einheit». Luise Voigt: «Nordhausen in Thüringen ist ein kleiner Punkt im Weltall. Er bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf einer Kreisbahn … Eben dort, mitten in Deutschland — und doch am Rande der medialen Aufmerksamkeit — gibt es Menschen, die geblieben sind und unter Perspektivlosigkeit leiden. Das Land, in dem sie heute leben, hat die Gesetze nicht für sie gemacht. Das Land, in dem sie vorher lebten, tat das ebenso wenig.»

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Mittwoch, 7. Mai 2014, 19 Uhr

«Von der Neuen Wache zum Gedenkort
Für die Opfer der ‹Euthanasie›-Morde.

20 Jahre Bundesdenkmalpolitik
Vortrag von Dr. Volker Wild

Was sagen Denkmäler über die, die sie errichtet haben? Was über deren Geschichtsbild, Motive, Interessen? Was über die Beziehung zwischen den Opfern und der Bundesrepublik? Volker Wild von der Forschungsgruppe Berliner Denkmäler rekonstruiert in seiner mit Bilddokumenten unterlegten Darstellung die Entstehungsgeschichte der fünf Denkmäler zum NS, die seit 1993 auf Beschluss des Bundes in Berlin errichtet worden sind. Indem sie lesbar gemacht werden, sind sie öffentlichen Debatte zugänglich. Die Analyse verdeutlicht, dass die Denkmäler alles andere als Ergebnis einer konsistenten Erinnerungspolitik oder Ausdruck eines gemeinsam geteilten kulturellen Gedächtnisses sind.

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Mittwoch, 16. Mai 2014, 19 Uhr

Radio-Feature 14

«Die Unbeerdigten Toten. Erinnerungskampf in Italien
Feature von Andreas F. Müller (Produktion: RBB/DLF/WDR 2011)

Italien neigt zur Entstellung seines historischen Gedächtnisses, sagt der slowenische Schriftsteller Boris Pahor aus Triest. Mit sechs Jahren, 18 Jahre bevor in Deutschland die Synagogen brannten, erlebte er dort schon eine erste «Kristallnacht». Die Opfer waren Slowenen, ihre brennenden Kultureinrichtungen die Initialzündung für mehr als zwei Jahrzehnte Faschismus … Das Land, insistiert der 98jährige Pahor, erinnere sich nur an das, woran es sich erinnern wolle. Verklärungen, Verdrängungen, Verharmlosungen,— einen klaren Blick auf die eigene Vergangenheit hat es in Italien nie gegeben. Und mit Beginn der Ära Berlusconi 1994 nahm das Ganze noch eine weitere, bedenkliche Wendung.

Mittwoch, 24. Mai 2014, 11-14 Uhr

West Ost / Exil und Remigration
Die Erich-Weinert-Siedlung in Pankow
Stadtspaziergang mit einem Ausflug in die Kleine Homeyerstraße mit Dr. Thomas Flierl und Dr. Nadine Steinitz

Treffpunkt: 11 Uhr im Max-Lingner-Haus

Die Siedlung bezeugt den Willen der frühen DDR, die aus der Emigration heimkehrenden Intellektuellen an sich zu binden. In unmittelbarer Nachbarschaft lebend, brachten sie unterschiedliche politische und kulturelle Erfahrungen aus dem Exil mit. Die Stadtführung präsentiert das denkmalgerecht sanierte Lingner-Haus sowie den kürzlich wiederhergestellten Garten und durchwandert die Siedlung. Zum Abschluss berichtet Nadine Steinitz (ihre Eltern Jeanne und Kurt Stern emigrierten nach Frankreich und Mexiko) aus ihrem eigenem Erleben sind.

Veranstalter Helle Panke e.V. | Rosa-Luxemburg-Stiftung

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Mittwoch, 28. Mai 2014, 19 Uhr

Jiddische Arbeiterlieder
Konzert und Vortrag mit Daniel Kahn

Jiddische Musik ist weit mehr als nur Klezmer. Doch kaum einer kennt heute noch die Lieder der jiddischen Arbeiterbewegung aus dem russischen Zarenreich. Als einer von wenigen lässt Daniel Kahn dieses musikalische Erbe lebendig werden. 1978 in Detroit/USA geboren, kam der Songwriter im Jahr 2005 nach Berlin, wo er und seine Band «The Painted Bird» in der Klezmer- und Folk-Szene Kultstatus genießen.« Verfremdungsklezmer» —eine Mischung aus Klezmer, radikalen jiddischen Songs, politischem Cabaret und Punk Folk. Auf seinem Solo-Konzert wird er die jiddischen Arbeiterlieder singen und ihre Geschichte erzählen.

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Mittwoch, 04. Juni 2014, 19 Uhr

Rainer Maria Rilke und Marina Zwetajewa
Eine Dichterbegegnung in Briefen

Vortrag von Michael Leetz

Nichts war für Rainer Maria Rilke so prägend wie seine Begegnung mit Russland. 1899 und 1900 unternahm der junge Dichter gemeinsam mit Lou Andreas-Salomé durch das Land zwei Reisen, die zur Grundlage seines ganzen weiteren Schaffens wurden. Danach sah er Russland nie wieder, obwohl er sich immer danach sehnte. Am Ende seines Lebens tritt er durch die Vermittlung von Boris Pasternak mit Marina Zwetajewa in einen Briefwechsel, der eine Begegnung zwischen ihm und den beiden russischen Dichtern vorbereiten sollte. Die Begegnung fand niemals statt. Geblieben ist ein Briefwechsel zweier Dichter, der selbst Dichtung ist.

13./14. September 2014

Tag des Offenen Denkmals im Max-Lingner-Haus

Das Max­-Lingner-Haus ist Teil der 1950/51 erbauten «Intelligenz-­Siedlung» (Architekt: Hanns Hopp). Für den Maler und Grafiker Max Lingner wurde ein Typenhaus um ein Maler-Atelier erweitert. Den Mittelpunkt des Gartens bildet ein etwa 86 Quadratmeter ­großer Patio. Seine ­Gestaltung vermittelt zwischen mediterraner ­Atmosphäre und ­märkischer Landschaft. Haus und Garten wurden denkmalgerecht saniert.

Jeweils am 13. und 14. September:

12 Uhr

Leipzig—Paris—Berlin.
Leben und Werk Max Lingners
Vortrag von Martin Groh

14 Uhr

Der Garten. Geschichte und Restaurierung
Vortrag von Rike Kirstein

16 Uhr

Das Max-Lingner-Haus
Führung durch Haus und Garten und durch die
Erich-Weinert-Siedlung mit Michael Letz

17. September 2014, 19 Uhr

Wände und Wende
Bilder-Vortrag des Fotografen Klaus Bädicker

«In all dem Grau der übriggebliebenen alten Viertel—wir hatten uns auf eine Ewigkeit eingerichtet. Freundschaften und Gemeinsamkeiten gaben dieser Welt Farbe. In der real existierenden Wohnungsnot war seit den 70er Jahren von der Partei Abhilfe versprochen. Jedoch, es kam anders. Eine für ewig erklärte Wand fiel und es wendete sich alles. Das Grau wurde greller, cremiger und Freundschaften seltener. Wir richteten uns und die Häuser jetzt anders neu ein. Der Bild-Vortrag präsentiert Fotos vom Wohnen, vom Alltag und vom Feiern in Berlins Mitte, von Wänden und Wende—Spuren einer verschwundenen Kultur.» Klaus Bädicker fotografierte erst für den VEB Kommunale Wohnungsverwaltung Berlin-Mitte, die heutige WBM, und später für den im Auftrag des Landes Berlin tätigen Sanierungsträger. So ist über die Zeiten ein einzigartiges kulturgeschichtliches Fotoarchiv entstanden.

24. September 2014, 19 Uhr

Unter Bäumen regnet es länger
Erlebnise und Werke der Bildhauerin Ruthild Hahne
Vortrag von Dr. Stefan Hahne

Seit 1936 studiert Ruthild Hahne an der Kunsthochschule Charlottenburg bei Wilhelm Gerstel und auch bei Arno Breker Bildhauerei. Mit dessen Unterstützung erhält sie 1941 das Stipendium an der Villa M assimo in Rom. Nach ihrer Rückkehr wirkt sie in Berlin wieder mit in der Widerstandsgruppe «Rote Kapelle». Sie und ihr Lebensgefährte Wolfgang Thiess werden verhaftet; er wird hingerichtet, sie kann 1945 aus dem Zuchthaus zur Roten Armee fliehen. Ihren ersten Auftrag erteilt das Kulturdezernat Berlin-Wilmersdorf: eine Thälmann-Büste. Ihre erste Nachkriegsarbeit aber ist ein Porträt von Lenin. Den zweiten Auftrag für ein nun monumentales Thälmann-Denkmal erteilt 1951 die DDR-Regierung. Seit 1953 wohnt sie mit westdeutschem Pass in der Intelligenz- Siedlung. Nach dem Mauerbau wird der Auftrag storniert. Sie besinnt sich wieder auf ihre künstlerischen Wurzeln: Italien.

01. Oktober 2014, 19 Uhr
Architekturvortrag 11

Der Fall PRUITT-IGOE.
Zur Sprengung des US-amerikanischen Sozialwohnungsbaus 1972

Vortrag von Sabine Horlitz

Das Bild der Sprengung des Sozialwohnungskomplexes Pruitt-Igoe 1972 in Missouri erfuhr rasante Verbreitung und wurde zum Symbol des Scheiterns der modernen Architektur wie des staatlich geförderten Sozialwohnungsbaus per se stilisiert. Doch weder die gesellschaftspolitischen Entstehungsbedingungen des Sozialwohnungsprojekts noch die kollektiven politischen Aktionen der dortigen Bewohner oder die zahlreichen Umgestaltungsversuche des Wohnkomplexes fanden Eingang in die entsprechenden Debatten. Der Vortrag unternimmt eine kritische Rekonstruktion der Geschichte Pruitt- Igoes und setzt diese in Bezug zur vorherrschenden Interpretation des Scheiterns dieses Projekts.

08. Oktober 2014, 19 Uhr
Radio-Feature 14

Das verstimmte Klavier «Roter Oktober».
Ena Tramps Widerstand gegen den rusischen Raubtierkapitalismus

Feature von Antje Leetz (RB 2014)

Wie geht es heute den Linken in Russland? Die Feature-Autorin besuchte in Petersburg die linke Oppositionelle Ena Tramp: 1968 geboren, wusste sie mit 15 Jahren, dass das Märchen von der gerechten sowjetischen Gesellschaft Lüge war. Sie wurde ein Hippie, fuhr per Anhalter durchs Land und schrieb rebellische Erzählungen, mit denen sie die Welt verändern wollte. Als in den 1990er Jahren der Raubtierkapitalismus über Russland hereinbrach, engagierte sie sich als linke Aktivistin. 2003 gründete sie in Petersburg den alternativen Verlag «Neuer kultureller Raum». Ohne die Idee der Gerechtigkeit ist das Leben für sie wertlos: «Man kann mich erschießen, aber ich werde niemals anerkennen, dass der eine Millionen hat und der andere nichts.»

15. Oktober 2014, 19 Uhr
Architekturvortrag 12

Von Krankfurt nach Mainhattan.
Die Geschichte der Hochhausstadt Frankfurt

Vortrag von Philipp Sturm (Kurator am dt. Architekturmuseum F/M)

Von Krankfurt nach Mainhattan. Die Geschichte der Hochhausstadt Frankfurt Vortrag von Philipp Sturm (Kurator am dt. Architekturmuseum F/M) Frankfurt am Main ist mit 700.000 Einwohnern die kleinste Global City der Welt und besitzt eine besonderheit in Kontinentaleuropa:
eine Skyline. Wie wurde Frankfurt zur Hochhausstadt? Nachdem 1949 die Hoffnung zerschlagen war, Hauptstadt der Bundesrepublik zu werden, setzte die Stadt alles daran, sich als wichtigstes Bankenzentrum zu etablieren. Der damit einhergehende Bauboom und die Grundstücksspekulationen in den 1960er und 1970er Jahren führten zum Frankfurter Häuserkampf — der Begriff «Krankfurt» entstand. Nach einem Paradigmenwechsel ab 1977 scheint die Stadt heute Frieden mit ihren Hochhäusern gefunden zu haben…

Veranstalter Helle Panke e.V. | Rosa-LuxembUrg-Stiftung Berlin

12. November 2014, 19 Uhr
Film 6

Blockade
Dokumentarfilm von Thomas Kufus (D 1991, 93 Min)

1941 überfiel Nazideutschland die Sowjetunion. Hitler gab den Befehl, Leningrad «dem Erdboden gleichzumachen». Die Wehrmacht schloss einen Belagerungsring um die Stadt, doch Leningrad konnte verteidigt werden. 900 Tage lang, von September 1941 bis Januar 1944, waren die Bewohner der Stadt eingekesselt. Über eine Million menschen starben an Hunger und Kälte. Jahrzehntelang verdrängt, wurde der Opfer in der Bundesrepublik erstmals am 27. Januar 2014 im Bundestag gedacht. Kufus’ Film brach bereits zuvor das Schweigen, ließ Überlebende zu Wort kommen und zeigte unveröffentlichte Filmaufnahmen aus sowjetischen Archiven. «Blockade» drehte Kufus noch als Autodidakt. Inzwischen ist er als Filmproduzent bekannt («Black Box BRD», «24h Berlin» – Europäischer und Deutscher Filmpreis).

19. November 2014, 19 Uhr
Radio-Feature 15

Shalom und Sozialismus – Immer bereit!
Israelisch-ostdeutsche Verwicklungen und Verwirrungen

Feature von und mit Charlotte Misselwitz (Deutschlandfunk 2011)

Auch am 9. November diesen Jahres gab es viele Reden, in denen die DDR zum 25. Mal als «zweite deutsche Diktatur» charakterisiert wurde. Das Feature von Charlotte Misselwitz wagt einen anderen Vergleich: Es konfrontiert die Gesellschaft in der DDR mit der in Israel und eröffnet dadurch eine andere, ungewohnte Perspektive auf ostdeutsche und israelische Geschichte.
Der Vergleich beginnt bei den Gruppengesängen, geht musikalisch weiter im fröhlichen Aufbau-Gestus für Geschwistertum im Arbeiter- und Bauernvolk … Yossi B. macht eine Sendung über «Das revolutionäre deutsche Lied» im israelischen Radio. Der Israeli und die deutsche Journalistin stellen fest, dass das zionistische und ostdeutsche Liedgut ähnlich klingen. Yossi, Anfang 20, lebt seit drei Jahren in Berlin. Die Autorin, Anfang 30, hat ein Jahr in Tel Aviv gelebt.
Entlang des akademischen Begriffes «entangled histories» (verstrickte/verhedderte Geschichten) entwickeln sich die Verwirrungen zu einer eigenen Geschichte: Beide Länder haben sich vor 60 Jahren gegründet. Beide begannen als antifaschistische, sozialistische Systeme. Und beide sind heute bekannt für ihre Grenzkontrollen, ihre Geheimdienste, den Bau einer Mauer … (obgleich die eine gegen Eindringlinge von außen, die andere gegen Flüchtende aus dem eigenen Land gerichtet).
Das Feature behandelt biografische, musikalische und historische Parallelen.

10. Dezember 2014, 19 Uhr

Fritz Behrens und seine rätekommunistische Kritik sozialistischer Reform
Vortrag von Thomas Kuczynski

Fritz Behrens (1909–1980) war der zu seiner Zeit wohl klügste und hellsichtigste DDR-Ökonom. Von der SPD kam er über die SAP 1932 zur KPD und «überwinterte» die NS-Zeit als Statistiker. In der «Tauwetterperiode» Mitte der 1950er Jahre in hohe Regierungsämter berufen, wirkte er für Wirtschaftsreformen, wurde jedoch 1957 als «Revisionist» gebrandmarkt und verlor alle seine Ämter. Mitte der 60er Jahre trat er wieder mit Kritik an der politischen Ökonomie des Sozialismus hervor. Krankheit, Invalidisierung und Emeritierung «retteten» ihn vor erneuten Verfahren. Nach 1969 schrieb er mehrere Kritiken des «staatsmonopolistischen Sozialismus», in denen er aber auch die Ansätze von Havemann, Bahro und des Prager Frühlings einer rätekommunistischen Kritik unterzog.

Veranstalter Helle Panke e.V. | Rosa-LuxembUrg-Stiftung Berlin

17. Dezember 2014, 19 Uhr

Zum Jahresausklang
Humorvolle und nachdenkliche Geschichten von Juri Rytchëu

Lesung am Samowar mit Antje und Michael Leetz

Juri Rytchëu (1930–2008) war der erste Schriftsteller seines Volkes, der Tschuktschen, das im äußersten nordosten Sibiriens lebt und nur zwölftausend Menschen zählt. Geboren in einer traditionellen Fellhütte am Polarkreis, hat er sich immer einen wachen und heiteren Blick auf die seltsamen Gebräuche unserer «zivilisierten» Welt bewahrt. In «Alphabet meines Lebens» erzählt er so verschmitzt wie anrührend, was ihm auf seiner Lebensreise widerfuhr. Es lesen Antje Leetz, die Übersetzerin Rytchëus, und Michael Leetz. Neben literarischem Genuss erwartet Sie ein Max-Lingner-Haus in vorweihnachtlicher Stimmung mit Samowar-Tee und Piroggen.