Max Lingner, Pressezeichnung «Joyeuse Pentecôte» (Frohe Pfingsten), Ausschnitt; in l’Humanité vom 5. Mai 1938

Max Lingner, Pressezeichnung «Joyeuse Pentecôte» (Frohe Pfingsten), Ausschnitt; in l’Humanité vom 5. Mai 1938
RÜCKBLICK – 2016
2. März 2016, 19 Uhr

Architektenleben
Zeit und Ort. Autobiografische Skizzen eines Bauingenieurs

Rolf Heider im Gespräch mit Irina Liebmann

Rolf Heider und Irina Liebmann kennen sich seit 1965. Er verfolgt seitdem ihr literarisches Schaffen. Sie bestärkte den Bauingenieur und Tragwerksplaner, seine Erlebnisse und Reflexionen aufzuschreiben. Denn er war an zahlreichen Projekten in Ost und West beteiligt, lehrte als Gastdozent an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und wirkte an der Bauakademie als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Rolf Heider behandelt in seinen «Autobiografischen Skizzen» nicht nur berufliche, sondern auch historisch relevante und aktuelle gesellschaftspolitische Probleme. Wer möchte, kann seinen privaten, manchmal turbulenten, sehr spezifischen Lebensweg verfolgen.

9. März 2016, 19 Uhr

Eine Revolution des Großstädters
Ernst May – Architekt und Stadtplaner auf drei Kontinenten

Ein Film von Otto Schweitzer (2015), vorgestellt von Eckhard Herrel und Julius Reinsberg (ernst­may­gesellschaft Frankfurt/M.)

Der 90minütige Dokumentarfilm erzählt in drei Kapiteln die zentra­len Lebensabschnitte Ernst Mays, die sich mit drei seiner Groß­projekte decken. im Gegensatz zu seinem bahnbrechenden Werk in Frankfurt am Main sowie den Planungen im Nachkriegsdeutsch­land, ist Mays umfangreiche Planungs-­ und Bautätigkeit in der Sowjetunion und in Ostafrika größtenteils in Vergessenheit geraten. Der neue Mayfilm würdigt das Œuvre des großen Frankfurter Archi­tekten und Stadtplaners und dokumentiert sein vielfältiges – teil­weise vom Abriss bedrohtes – Erbe auf drei Kontinenten.

16. März 2016, 19 Uhr
Radio-Feature 19

Diese Stadt stand in einem andere Land –
Geschichten aus Haneu

Radiofeature von Anselm Weidner

«Licht, Luft und Sonne für alle», eine funktionale Stadt der kurzen wege mit einer von vornherein geplanten und gebauten modernen Infrastruktur für Chemiearbeiter und Ingenieure, Baggerfahrer und Professoren gleichermaßen: Die sozialistische Modellstadt gilt als städtebauliche Ikone der DDR-Moderne. «Mag die Stadt heute auch schöner aussehen, grüner sein, heute zerfällt sie in ärmere und wohl­habendere Viertel. Aber dennoch ist sie für die HaNeuerinnen ihre Heimat» (Weidner). In 21 Geschichten mit 27 Protagonisten zeichnet Weidner mit Stimmen und Klängen ein lebendiges Bild vom Entstehen und der heutigen wirklichkeit dieser einmaligen Stadt.

30. März 2016, 19 Uhr

Leonhard Kossuth: «Aber der Wagen, der rollt»
Lesung und Gespräch über sowjetische Literatur

Leonhard Kossuth, geboren 1923 in Kiew, blickt auf ein langes Leben mit der russischen und sowjetischen Literatur zurück. Viele Jahre war er Leiter des Lektorats für Sowjetliteratur im Berliner Verlag Volk und welt. Durch seinen Einsatz haben die deutschen Leser Scholochow, Simonow, Okudshawa, Leonow, Polewoi, Sluckis, Aitmatow, Rytchéu u.a. kennen und lieben gelernt. in seinem letzten Buch «Aber der Wagen, der rollt» (Nora Verlag 2015) beleuchtet Kossuth in 120 Rezensionen kaleidoskopartig die vergangene Epoche der sowje­tischen Literatur, und zeigt zugleich, wie lebendig diese Literatur immer noch ist.

in Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

06. April 2016, 19 Uhr

Schöner Wohnen, Arbeiten und Leben
Die Intelligenzsiedlungen der 50er Jahre in Berlin-Niederschönhausen
Vortrag von Rolf Hoppe

Die Anlage der beiden Pankower Intelligenzsiedlungen war ein kultur­ politischer Schritt der Verantwortlichen in der SBZ bzw. der jungen DDR, mit dem die «schaffende Intelligenz» für die neue Ordnung gewonnen und durch soziale und materielle Vergünstigungen unter­stützt werden sollte. Nach Entwürfen von Hanns Hopp entstanden so im Umfeld des Schlosses Schönhausen, dem Sitz des Staats­präsidenten Wilhelm Pieck, und dem Majakowskiring, dem Wohnort der politischen Führung, am Fritz-­Erpenbeck­-Ring und an der Beatrice­-Zweig-­Straße Einzelhäuser für bildende Künstler, Theaterleute, Autoren und Geisteswissenschaftler.

in Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

20. April 2016, 19 Uhr
Radio-Feature 20

Leben in der neuen Republik
Feature von Gerda Zschiedrich und Ulrich Unterlauf (NDR 2000)

Sechs ostdeutsche Intellektuelle berichten auf gleichsam scharf­ analytische wie unterhaltsame Weise über ihre Beobachtungen von dem veränderten «Leben in der Neuen Republik». Ohne Erzähler­kommentar, nur musikalisch verbunden durch Schuberts «Deutschen Tanz», ergibt sich ein Reigen von eindringlichen Aussagen durch: Prof. Dr. Michael Succow (Biologe, Alternativer Nobelpreis), Andreas Dresen (Filmregisseur), Peter Brasch (Autor und Regisseur), Jutta Wachowiak (Schauspielerin), Friedrich Dieckmann (Autor/Publizist) und Andrea Czesienski (Autorin/Lektorin). Die Interviews, entstanden zehn Jahre nach der deutschen Einheit, sind ein Zeitdokument, das bis in die Gegenwart aktuell geblieben ist.

in Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

11. Mai 2016, 19 Uhr

Konrad Wolfs Kriegstagebuch und Briefe
Gespräch mit dem Herausgeber Paul Werner Wagner

Der Filmregisseur Konrad Wolf (1925–1982) hat ein außer­gewöhnliches Dokument hinterlassen: sein Kriegstagebuch in russischer Sprache. Die engbeschriebenen Notizbücher blieben unversehrt und vermitteln ungewöhnliche Einblicke in Erleben, Denken und Fühlen ihres Verfassers. Ihr Reiz liegt in der Unbe­kümmertheit des sehr jungen Schreibers und der Wahrhaftigkeit des Erlebten im harten Kriegsalltag zwischen Schlachtenlärm und Zeiten der Stille, in denen der Tod allgegenwärtig ist. Der Krieg beschleu­nigt den Prozess des Erwachsenwerdens des Jugendlichen, der sich auf die Suche nach sich selbst macht.

in Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

18. Mai 2016, 19 Uhr

Westemigranten in der DDR 3
Zwischen Misstrauen und Wertschätzung:
England-Remigranten in der SBZ/DDR

Vortrag von Bernd­-Rainer Barth

KPD-­Mitglieder bildeten ab 1939 die größte Gruppe innerhalb des deutschen Exils in Großbritannien. Ihr späterer Einfluss und ihre Wertschätzung in der DDR standen im scharfen Kontrast zum anfänglichen Misstrauen. Die wenig bekannte Geschichte des KPD­-Exils in England und die damaligen gruppeninternen Konflikte sind die Folie zum Verständnis der «Säuberung» von England­-Remi­granten 1949–1955. Am Beispiel Betroffener (Jürgen Kuczynski, Wilhelm Koenen, John Heartfield, Hans Schrecker u.a.) werden Aspekte der «Säuberungspraxis» konkretisiert. Die jüdische Herkunft vieler England­-Remigranten und ihr Kampf in alliierten Armeen waren Ansatzpunkte für Verdachtsphantasien mit fatalen Folgen.

25. Mai 2016, 19 Uhr

Das Kinderheim in der Königsheide — baugeschichtliche Spurensuche
Ein Vortrag von Anne Becker und Monika Sachajska

Das ehemalige Kinderheim Königsheide im Berliner Bezirk Treptow­ Köpenick ist ein bedeutendes Zeugnis der Architektur­ und Freiraumgestaltung der frühen DDR. Im Wald­arial der Königsheide gelegen, war es die größte soziale Kindereinrichtung im deutsch­sprachigen Raum. Die Autorinnen der «Blauen Hefte», einer Publi­kationsreihe zur Geschichte der Königsheide, berichten von ihren Recherchen und stellen anhand von Bildern und Dokumenten den Werdegang der Planung und des Baus sowie die damit verbun­denen politischen Auseinandersetzungen dar.

15. Juni 2016, 19 Uhr
Hörspiel

Das Verschwinden des Philip S.
Von Ulrike Edschmid, Hörspielbearbeitung: Ricarda Bethke (rbb Kultur 2015)

Im Mai 1975 stirbt der als Terrorist gesuchte Philip Sauber bei einem Schusswechsel mit der Polizei. Fast 40 Jahre später erzählt seine ehemalige Lebensgefährtin, Ulrike Edschmid, die Geschichte ihrer gemeinsamen Jahre. Es sind Jahre eines großen gesellschaft­ lichen Umbruchs. Sie erzählt vom kollektiven Leben in der Fabrik­etage in Schöneberg, von Anti -Vietnam­-Demonstrationen, von konspirativen politischen Aktionen und der ersten gemeinsamen Inhaftierung. Es ist die Geschichte eines schleichenden, aber unaufhaltsamen Verlustes eines geliebten Menschen, der schließ­lich den Weg in den Untergrund wählt.

22. Juni 2016, 19 Uhr
Radio-Feature 21

Der Atlas der Katakomben. Odessa von oben und unten
Feature von Charlotte Misselwitz (NDR/DLF 2015)

Beim Spazieren durch Odessa stößt man hier und da auf Eingänge zu den Kalksteinkatakomben. In den Katakomben haben sich schon Juden und Partisanen vor den Nazis versteckt. Wie in jeder Genera­tion erkunden auch heute junge Leute die unterirdischen Gänge. Und sie tauchen ab vor dem russisch­-ukrainischen Konflikt, dem unauf­geklärten Brand des Gewerkschaftshauses am 2. Mai 2014, bei dem mindestens 150 Menschen starben. Die Katakomben sind ein unterirdischer Atlas der unbewältigten Geschichte, die die ukrai­nische Gesellschaft bis heute verfolgt.

10./11. September 2016

Tag des Offenen Denkmals im Max-Lingner-Haus

Das Max-Lingner-Haus ist Teil der 1950/51 erbauten «Intelligenz-Siedlung» (Architekt: Hanns Hopp). Für den Maler und Grafiker Max Lingner wurde ein Typenhaus um ein Maler-Atelier erweitert. Den Mittelpunkt des Gartens bildet ein etwa 86 Quadratmeter Großer Patio. Seine Gestaltung vermittelt zwischen mediterraner Atmosphäre und märkischer Landschaft. Haus und Garten wurden denkmalgerecht saniert.

Vorträge/Führungen:

Sonnabend, 10. September

12 Uhr

Leipzig—Paris—Berlin.
Leben und Werk Max Lingners
Vortrag von Martin Groh

13 Uhr

Das Max-Lingner-Haus, der Garten und die Siedlung
Führung mit Michael Leetz

15 Uhr

Gerhard Schumacher-Kitzig demonstriert das Drucken von Originalplatten Max Lingners

16 Uhr

Max Lingners Presseillustrationen
Vortrag von Martin Groh


Sonntag, 11. September

11 Uhr

Filme über Max Lingner
ling69 (DFF, 49 min)
Maler der proletarischen Heiterkeit (DEFA 1979, 36 min)

13 Uhr

Führung durch das Max-Lingner-Haus, Garten und die Siedlung
mit Michael Leetz

14 Uhr

Der Garten: Geschichte und Sanierung
Vortrag von Caroline Rolka

15 Uhr

Gerhard Schumacher-Kitzig demonstriert
das Drucken von Originalplatten Max Lingners

16 Uhr

Das Wandbild von Max Lingner am heutigen Bundesministerium der Finanzen in Berlin
Vortrag von Dr. Thomas Flierl

 
Sie sind herzlich eingeladen!
Max-Lingner-Stiftung
Vorsitzender Dr. Thomas Flierl

21. September 2016, 19 Uhr

Eine Frau der Résistance. Lingners Gemälde Mademoiselle Yvonne (1939)
Vortrag von Dr. Maria Obenaus (Nationalgalerie, Staatl. Museen zu Berlin)

Anlässlich seiner Rückkehr nach Deutschland überreichte Lingner im Sommer 1949 ein Konvolut von 40 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen dem Deutschen Volksrat der Sowjetischen Besatzungszone als Schenkung an das deutsche Volk. Die Werke befinden sich heute im Bestand der Staatlichen Museen zu Berlin. In der Ausstellung Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933–1945 zeigte die Nationalgalerie kürzlich das Gemälde Mademoiselle Yvonne, das 1939 in Paris entstand und zu den bekanntesten Werken des Künstlers gehört. Die Unbeugsamkeit der forsch auftretenden, schönen Französin, die mit erhobenem Haupt selbstbewusst dem Betrachter entgegenschreitet, sticht aus Lingners zahlreichen Frauen- und Mädchendarstellungen heraus.

28. September 2016, 19 Uhr
Radio-Feature 22

Junge Linke in Russland
Feature von Antje Leetz (Deutschlandfunk 2016)

Seit dem Zerfall der Sowjetunion sind die Revolution von 1917, Marx und Sozialismus in Russland passé. So dachte die Autorin. Aber ein leiser Zweifel blieb: Sie traf Menschen, die den Untergang der Sowjetunion bedauerten. Der Kapitalismus sei ungerecht und unsozial. Bei manchen Jugendlichen entdeckte sie als Modezeichen den roten Stern. Von Linken aber vernahm sie nichts. Als sie aber vor kurzem auf YouTube sah, wie eine junge Frau auf dem Petersburger Newski-Prospekt die «Internationale» sang, horchte sie auf: Da muss es noch etwas geben. Also ist die Idee von sozialer Gerechtigkeit in Russland doch nicht gestorben. Die Autorin lernt in Moskau, Petersburg und Nischni Nowgorod eine junge linke Generation kennen, die sich zu Marx, Trotzki und modernen sozialistischen Alternativen bekennt.

05. Oktober 2016, 19 Uhr

Ein Doppelleben zwischen Pflicht und Neigung.
Der Architekt, Künstler und Kulturpolitiker Kurt Magritz (1909-1992)

Vortrag von Dr. Eckhart Gillen

Kurt Magritz stand lange Zeit im Schatten seiner kulturpolitischen Tätigkeit als Chefredakteur der Illustrierten Rundschau von 1950 bis 1954. In dieser Zeit unterstützte er maßgeblich die von der Sowjetunion angeordnete Kampagne gegen den Formalismus. Kaum jemand weiß jedoch, dass sich hinter der Fassade des linientreuen Kulturfunktionärs ein höchst sensibler Dichter und vor allem ein Maler und Zeichner verbarg, der zwischen 1927 und 1979 ein umfangreiches bildnerisches Werk geschaffen hat. Der Kunsthistoriker und Kurator Eckhart Gillen hat den «Formalisten» Kurt Magritz neu entdeckt: er führte ein Doppelleben zwischen der politischen Anpassung als Kommunist und seiner künstlerischen Überzeugung als Modernist.

12. Oktober 2016, 19 Uhr

Johannes R. Becher in Paris. Literatur und Politik 1933-1935
Vortrag von Prof. Dr. Dieter Schiller

Während seiner Reisen nach Paris 1933–1935 verfolgte Becher drei Projekte: Einen westeuropäischen Stützpunkt für antifaschistische Literaturarbeit zu schaffen, eine literarische Zeitschrift zu gründen und eine Weltkonferenz der antifaschistischen Schriftsteller einzuberufen. Zustande gekommen ist nur der «Internationale Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur». Trotz dieses internationalen Erfolgs fand Becher bei seinen Moskauer Genossen wenig Anerkennung. Archivmaterial enthüllt, dass er damals als Gescheiterter in die Sowjetunion zurückkehrte und seine Position nur langsam wieder festigen konnte.

in Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

19. Oktober 2016, 19 Uhr

Kunstkonfontationen auf der Pariser Weltausstellung von 1937
Vortrag von Rosi Huhn (Kunsthistorikerin und -kritikerin, Paris)

Die Weltausstellung 1937 bildet einen Höhepunkt in der internationalen Begegnung und nationalen Repräsentation kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Wie nie zuvor wurden die Künste einbezogen und gefordert in Hinblick auf Fortschrittsdenken, Modernität, Technizität auf der einen Seite, nationalistischen Konzepten und Modellen auf der anderen. Im Wettbewerb der Nationen stoßen Internationalismus, Universalismus, Imperialismus, Nationalismus, Faschismus und Kommunismus in einander entgegengesetzten Kunstkonzepten aufeinander. Jenseits der Versöhnungsstrategien der Ausstellungsmacher tun sich soziale, politische und künstlerisch-ästhetische Konfliktfelder auf. Auf politische Propagandakunst antwortet eine Kunst der Aufklärung, auf Monumentalismus eine ephemere Kunst, auf Idealisierung die Dekonstruktion derselben.

26. Oktober 2016, 19 Uhr

Eine Familie zwischen Stalins Terror und Hitlers Krieg
Lesung und Gespräch mit der Autorin Anja Schindler · Moderation: Dr. Inge Münz-Koenen

Das Buch reiht sich ein in die Reihe der Familiengeschichten, verfasst von der Zweiten Generation, die selbst noch im Exil geboren wurde. Die Autorin konnte sich auf die Briefe ihrer Großmutter stützen, die diese bis zu ihrer Verhaftung nach Deutschland schrieb, sowie auf die Erinnerungen ihres Großvaters und ihrer Mutter, die—anders als die Großmutter und deren Sohn—den Terror des Jahres 1937 überlebten. So liegt eine dicht am Lebensalltag erzählte Kollektivbiographie einer Familie vor, die 25 Jahre das Schicksal der sowjetischen Mehrheitsbevölkerung teilte: in einer kaukasischen Kommune, im terrorisierten Leningrad, im Gulag und schließlich in der kasachischen Verbannung. Archivrecherchen erhellen die Hintergründe des Geschehens.


«Russland in Blut gewaschen» – Ein Revolutionsjahr und seine Folgen im Blick der Literatur
Der bevorstehende 100. Jahrestag des Revolutionsjahres in Russland ist für die Redaktion der Zeitschrift Berliner Debatte.Initial Anlass, Literaturwissenschaftler, Historiker und Übersetzer einzuladen, über die Darstellung von Voroktober, Februarrevolution, Oktoberumsturz und Bürgerkrieg in Romanen, Erzählungen, Dokumentationen zu diskutieren.

09. November 2016, 19 Uhr

Das Russische Exil in Berlin
Dr. Wladislaw Hedeler und Dr. Thomas Möbius im Gespräch
mit dem Publizisten Christian Hufen
(der ursprünglich eingeladene Prof. Schlögel ist leider verhindert)

Welche Sicht hatten die Exilanten auf die Revolution und die Entwicklungen in Russland nach 1917? Wie greifen ihre Texte über die Darstellung der Revolutions- und Bürgerkriegsereignisse hinaus? Was vermitteln sie an geschichtsphilosophischen Deutungen und Einsichten? Welche Sicht auf die Geschichte geben sie? Wie verbinden sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?

16. November 2016, 19 Uhr

Revolution und Bürgerkrieg im Spiegel der Literatur: Übersetzungen, Wiederentdeckungen
Dr. Wladislaw Hedeler und Dr. Thomas Möbius im Gespräch mit Prof. Dr. Christa Ebert, Literaturwissenschaftlerin, Gabriele Leupold, Übersetzerin, und Christina Links, ehemals Lektorin im Verlag Volk & Welt

Wie wurden die Texte über Revolution und Bürgerkrieg rezipiert und übersetzt? Welche Fragen verbanden sich mit ihnen? Was bieten die Neuübersetzungen der letzten Zeit, wie etwa von Isaak Babels Reiterarmee an neuen Einsichten? Gibt es neue Fragen an und Sichtweisen auf die Texte? Was tragen die Wiederentdeckungen und Neuübersetzungen von Michail Prischwins Der irdische Kelch, Iwan Bunins Verfluchte Tage, Nadeshda Lochwizkajas (Teffy) Champagner aus Teetassen und Sinaida Hippius’ Tagebücher zu unserem Bild von Revolution und Bürgerkrieg sowie der Literatur über diese Zeit bei?

23. November 2016, 19 Uhr

Schwierige Heimkehr.
John Heartfield und Wieland Herzfelde in der frühen DDR.

Vortrag von Bernd-Rainer Barth Moderation: Dr. Inge Münz-Koenen

Den anfangs willkommenen Westemigranten schlugen plötzlich Misstrauen, Feindschaft und Verdächtigungen entgegen. Beiden KPD-Gründungsmitgliedern wurde die Parteimitgliedschaft versagt, ihr Werk totgeschwiegen, ihre künstlerische Arbeit behindert. Ihre frühere Zugehörigkeit zur «Versöhnler-Fraktion», zum «Münzenberg- Kreis» und ihre Kontakte zu den «Field-Agenten» waren Gegenstand entwürdigender Befragungen durch die «Säuberungsspezialisten» der Partei. Am Beispiel beider Biographien— ihrer Exil-Stationen und Freundschaftsnetze— werden die Dilemmata kommunistischer Intellektueller in Zeiten der Wachsamkeitshysterie beleuchtet.

30. November 2016, 19 Uhr

Zeichnen im Zeichen der Zeit. Max Lingner als Pressezeichner in Frankreich.
Vortrag von Martin Groh

In den 1930er Jahren arbeitete Max Lingner hauptsächlich als Pressezeichner und Umbruchredakteur für große französische Zeitungen. War er bis 1935 ausschließlich für die Wochenzeitung Monde von Henri Barbusse tätig, zeichnete er in den Jahren bis zum Krieg v.a. für die Tageszeitung l’Humanité und für andere Presseorgane der kommunistischen Bewegung Frankreichs, wie Regards und l‘Avant­Garde. Schon in seinem Frühwerk lässt sich sein Interesse für das Zeichnen und Illustrieren nachweisen, aber im Zenit seines künstlerischen Schaffens wurde Lingner mit seinem Tuschestift als Werkzeug zu einem der wichtigsten Beobachter und Dokumentaristen des Frankreichs der Volksfrontregierung und der aufstrebenden Bevölkerungsschichten aus den Pariser Banlieues.

14. Dezember 2016, 19 Uhr

An der Nahtstelle zwischen Pariser Kunstkreisen und dem Deutschen Künstlerexil. Max Lingner im Kontext der 1930/40er Jahre
Vortrag von Hélène Roussel (Maître de conférences, Univ. Paris VIII)

Wie auch einige andere deutsche bildende Künstler (z.B. Otto Freundlich und Max Ernst) kam Max Lingner bereits in den 1920er Jahren nach Frankreich, also freiwillig und nicht als Exilant. Dennoch identifizierte er sich in den 1930er Jahren mit den deutschsprachigen Emigranten und erlitt seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bis zu dessen Ende in Frankreich das gleiche Schicksal wie sie. Der Vortrag der Pariser Germanistin untersucht Aspekte von Max Lingners Schaffen und seiner spezifischen Situation in diesen Jahren, die sich zwischen der zur Integration in Frankreich tendierenden Akkulturation und einer Teilnahme an den antinazistischen Aktivitäten exilierter Künstler bewegt.

21. Dezember 2016, 19 Uhr

Zum Jahresausklang: Sto Gramm. Das Wodkabuch
Lesung am Samowar mit Antje und Michael Leetz

Wodka bereitet nicht nur Vergnügen, sondern schärft auch den Verstand. Hat man allerdings zu tief ins Glas geguckt, kann der gewonnene Scharfsinn leicht wieder verloren gehen. Der legendäre Iwan Wodkin weiht uns in seinem Kultbuch «Sto Gramm» in die Geheimnisse des russischen Nationalgetränks ein. Warum schnipst sich ein Russe an den Hals, wenn er trinken will? Was haben orthodoxe Popen mit dem heiligen Wässerchen zu tun? Alles, was Sie schon immer über Wodka wissen wollten, aber nie zu fragen wagten, erfahren Sie an diesem Abend mit Tee und Piroggen. Also: Uwidimsja pod stolom!— Wir sehen uns unterm Tisch wieder!