Stimmen zu M. L.

Mitarbeiter von MONDE, vermutlich 1934/35, Max Lingner 1. v.l. stehend, in der Mitte links sitzend: Henri Barbusse. Fotograf: David Seymour (Chim).

Mitarbeiter von MONDE, vermutlich 1934/35, Max Lingner 1. v.l. stehend, in der Mitte links sitzend: Henri Barbusse. Fotograf: David Seymour (Chim).

Freunde, Künstler und Kritiker zum Werk Max Lingners

Günter Feist, Kunstwissenschaftler, 2004

«Lingners ‹Kennung› ist auch bei den von herber Schönheit erfüllten realistischen Lebensbeobachtungen vor allem die Melodik der Linie, die schwingende Kurvatur. Wo sonst sollte sie anders ihren besten Gegenstand finden als bei der Darstellung von Mädchenhaftigkeit und Fraulichkeit. In der Tat hat man Lingner einen ‹Frauenlob› genannt, sowohl nach der Zahl der Werke dieser Thematik als auch nach deren Intensität.» (Günter Feist, Rede zur Eröffnung der Ausstellung «Max Lingner» in Berlin am 29.4.2004)

Harald Metzkes, Künstler, 1988

«Vor vierzig Jahren hatte die Zeitschrift ‹bildende kunst› das Titelblatt ‹Singende französische Mädchen›. Ich war über das ‹Freundliche› in Lingners Bild erstaunt, über das ‹Entrückte›, das so entrückt war, weil es Französisches zeigte. Es schien natürlich und produktiv, auch wenn es andere Leute waren als die, die sich hier mühten. Ich habe das als eine Botschaft empfunden. Eine Botschaft aus der Ferne, aber nicht von außerhalb aller Möglichkeiten.» (Harald Metzkes, Rede zur Einweihung einer Gedenktafel für Max Lingner in Berlin 1988; Mitteilungen der AdK der DDR, Berlin, 27/1989/2, S. 3)

Gertrud Heider, Kunstwissenschaftlerin, 1979

«Auch für uns Heutige hat Max Lingners Werk seine Anziehungskraft nicht verloren. Seine ungewöhnliche Ausstrahlung und unmittelbar emotionale Wirkung beruhen gleichermaßen auf jenem Eindruck von Jugendlichkeit und Frische, der von seinen Gemälden und Zeichnungen ausgeht, und auf der Lauterkeit der politischen und künstlerischen Haltung, die ihm zugrunde liegt. So sind seine Werke heute wie damals aktuell.» (Gertrud Heider, Max Lingner. Monographie, Leipzig 1979.)

Gabriele Mucchi, Künstler, 1958

«… wie ich mich gefreut habe, die Landschaft ‹Straße nach Rummelsburg› zu sehen, die das Datum 1958 trägt. Sie ist sehr kräftig und schön poetisch. Man sieht also, daß Du trotz Deiner schlechten Gesundheit nicht die Lust zur Arbeit und die dazu nötige Energie verloren hast! Ich habe mich wirklich sehr gefreut.» (Gabriele Mucchi, Brief vom 6.12.1958, LA. Sign. IV B 300)

Bertolt Brecht, Schriftsteller, 1955

«Gratuliere zu Deinem Bauernkrieg – ein künstlerisches Ereignis ersten Ranges.» (Bertolt Brecht, Telegramm vom 15.7.1955, AdK Berlin, Sign. IV B 216.)

Marcel Cachin, Politiker und Herausgeber der Zeitung «L‘Humanité», 1955

«Aber Max Lingner ist nicht nur Kämpfer, der ‹Bruder im Kampf›, wie er von denen, die ihn kannten, die ihm nahestanden, gepriesen wurde, er ist auch ein bewährter Künstler, der sein unbestreitbares Talent in den Dienst der großen Sache des Volkes, der humanistischen Entwicklung stellte. (Marcel Cachin, Max Lingner: Mein Leben und meine Arbeit, Dresden 1955, Einleitung.)

Paul Westheim, Kunstkritiker, 1939

«Darsteller des Pariser Arbeiters konnte Lingner nur werden, weil er ein Maître de la réalité ist, Wirklichkeitsbeobachter, Wirklichkeitsfanatiker, versessen darauf, festzuhalten, was ist. Das gibt auch seinen Bildern Halt, sie sind gestaltetes Leben, sie haben Elan, ohne falsches Pathos. (Paul Westheim, Artikel zur Max-Lingner-Ausstellung 1939 in Paris; Pariser Tageszeitung, 3.5.1939)

Henri Barbusse, Schriftsteller, 1935

«Dieser Schaffende der Kunst, der uns die gegenwärtige soziale Bewegung widerzuspiegeln versteht, besitzt die Gabe des Meisters, die Gabe der geschlossenen Komposition, dieses großen Begriffes der Disziplin und der architektonischen Ordnung des Werkes, die sich mit der Disziplin und der Ordnung seines moralischen Bildes vermählt. Er hat auch die proletarische Gabe der Vereinfachung, die nur das wesentliche der Gesichter und Gebärden wiedergibt.» (Henri Barbusse, Vorwort von 1935; Max Lingner, Katalog, Akademie der Künste, Berlin 1951.)

Käthe Kollwitz, Künstlerin, 1927

«Haben Sie Dank für die vier schönen großen Lithos. Mir ist diese am liebsten, wo das Mädchen etwas bekleidet ist und sich das küssende Profil des Mannes gegen ihren Kopf absetzt. Das Bild ist sehr schön.» (Käthe Kollwitz, Brief vom 27.2.1927, AdK Berlin, Sign. IV B 8. Kollwitz bezieht sich auf die Lithographie «Liebespaar I».)