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Ausgewählte Werke
Das Abendlied (Singende Mädchen), 1912

Das Abendlied (Singende Mädchen), 1912
Das Abendlied (Singende Mädchen), 1912
Öl/Leinwand, 131 x 166 cm, Museum Weißenfels

Mit diesem Bild beendete Lingner gewissermaßen sein Studium der Malerei an der Dresdner Kunstakademie. Es entstand während eines Studienaufenthaltes in Brodowin, einem märkischen Dorf nordöstlich von Berlin, und zeigt «singende Mädchen in dem farbigen Vierklang grün, schwarz, rot und kobaltblau.» Lingner bekam für das Gemälde nicht nur reichlich Anerkennung – er wurde mit dem Sächsischen Staatspreis ausgezeichnet -, sondern fand darin auch Motiv und Komposition für sein zukünftiges Werk: Die Darstellung von singenden und tanzenden Frauengruppen sowie von Figuren, die aus dem Bild heraus auf den Betrachter zukommen.

Arbeiterliebe V, um 1929

Arbeiterliebe V, um 1929
Arbeiterliebe V, um 1929
um 1929, Deckfarben, Tusche, 74,5 × 52 cm, Max-Lingner-Stiftung

Die Gestaltung des Themas «Arbeiterliebe» resultierte aus der Beobachtung junger Arbeiterinnen und Arbeiter in Weißenfels, die Lingner in ihrer natürlichen Schönheit und Würde darstellen wollte. Eine erste Lithographie-Folge zum Thema schickte er an die bekannte Künstlerin Käthe Kollwitz, der das Blatt «am liebsten» war, «wo das Mädchen etwas bekleidet ist und sich das küssende Profil des Mannes gegen ihren Kopf absetzt.» Ab 1928 entstanden verschiedene, auch farbige Varianten des Liebespaares und 1930 war es das Motiv, mit dem Lingner seine Arbeit als Pressezeichner bei der französischen Wochenzeitung «MONDE» begann.

MONDE, Titelblatt vom 19.9.1931

MONDE, Titelblatt vom 19.9.1931
MONDE, Titelblatt vom 19. September 1931

Von 1930 bis 1935 gestaltete Lingner fast 40 Titelblätter für die von Henri Barbusse herausgegebene Wochenzeitung MONDE. Er zeigte das Leben der Arbeiter in Paris und den Vororten der französischen Hauptstadt, thematisierte Hunger und Arbeitslosigkeit, unterstützte den Kampf gegen Krieg und Faschismus. Seine Illustrationen auf den Titel- und Innenseiten verschmolzen auf besondere Weise mit der typographischen Gestaltung der Zeitung, bestimmten zeitweise ihr Erscheinungsbild. Nach 1935 setzte Lingner seine Arbeit als Pressezeichner für die kommunistischen Zeitungen «l’Avant-Garde» und «l’Humanité» fort und wurde so zu einem «zur täglichen Zeichnung Verurteilten».

Mutter und Kind – Madrid 1937, 1937

Mutter und Kind – Madrid 1937, 1937
Mutter und Kind – Madrid 1937, 1937
Tusche, 81 × 59 cm, Kupferstichkabinett SMPK Berlin

Die Beschränkung auf die Halbfigur und die Komposition der hoffnungsvoll aufblickenden Mutter, die das ängstliche Kind an sich drückt, schaffen eine Spannung, die den Betrachter unmittelbar anspricht. Mit diesem Motiv unterstützte Lingner 1937 die Spendenaktion «Milch für spanische Kinder». Und als das Plakat in ganz Frankreich zur Solidarität mit Spanien aufrief, sollen die Spenden sprunghaft angestiegen sein, so dass in kurzer Zeit 800.000 Büchsen Milch für die Kinder im eingeschlossenen Madrid gesammelt werden konnten. Eine ganz ähnliche Mutter-Kind-Gruppe ist auf dem Blatt «Paris 1943» zu finden.

Mademoiselle Yvonne, 1939

Mademoiselle Yvonne, 1939,
Foto © bpk/Jörg P. Anders,
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
Mademoiselle Yvonne, 1939
Öl/Leinwand, 99 × 51 cm, Neue Nationalgalerie SMPK Berlin

Lingner war in Paris Pressezeichner geworden, aber er hatte nie aufgehört, Maler zu sein. In seinen Bildern hat er immer wieder selbstbewußte französische Frauen wie Yvonne dargestellt: stolz, schön und nicht selten politisch aktiv. Yvonne war eine junge Arbeiterin, die in der Widerstandsbewegung arbeitete, deshalb verhaftet und 1944 in Auschwitz umgebracht wurde. All das wußte Lingner natürlich nicht, als er sie 1939, wenige Tage vor Kriegsausbruch, in ihrem engen violetten Kleid, mit den eleganten Handschuhen und dem Lippenstift-roten Mund malte. Das Gemälde gehörte zu den 40 Werken, die Lingner 1949 dem «deutschen Volk» geschenkt hat.

Eingang zum Lager Gurs, 1941

Eingang zum Lager Gurs, 1941
Eingang zum Lager Gurs, 1941
Tusche, 17 × 21 cm, Max-Lingner-Stiftung

Selbst als Lingner Anfang der 1940er Jahre verhaftet wurde und in verschiedenen Lagern interniert war, hat er künstlerisch gearbeitet. Im südfranzösischen Konzentrationslager «Les Milles» zeichnete er u.a. die Stacheldraht-Absperrungen und die Wachhäuser. Im Pyrenäenlager Gurs konnte er Kindern in einer Schuler der «Schweizer Hilfe» Zeichenunterricht erteilen und selbst in einer Serie das Lager sowie das Leben der Gefangenen festhalten. «Jedes dieser Blätter, von ein paar Worten begleitet, die lakonisch feststellen: man hungert, man friert, man wartet; ist von starker emotionaler Wirkung.» (Gertrud Heider, Max Lingner, 1979, S. 132)

Weintraubenverkäuferinnen, 1949

Weintraubenverkäuferinnen, 1949
Weintraubenverkäuferinnen, 1949
Weintraubenverkäuferinnen, 1949, Tempera, 129 × 177cm, Max-Lingner-Stiftung,

Diese unvollendet gebliebene erste Version der «Weintraubenverkäuferinnen» hat Lingner noch in Paris entworfen, und 1949 in Berlin ausgeführt. Mit diesem Werk nahm er Abschied von Frankreich, feierte ein letztes Mal «die Frauen seines Gastlandes: Die vier Französinnen verkörpern alles das, was sie ihm so anziehend gemacht haben: Schönheit und jugendliche Frische, Witz und Schlagfertigkeit, weiche hingebungsvolle Weiblichkeit und stolz abwartende Zurückhaltung.» (Willi Geismeier, Max Lingner, 1968, S. 72) Die zweite, vollständig ausgearbeitete Fassung des Gemäldes befindet sich seit 1969 in der Sammlung der Nationalgalerie Berlin.

Berliner Wandbild, Skizze zur ersten Fassung, (Ausschnitt), um 1950

Berliner Wandbild, Skizze zur ersten Fassung, (Ausschnitt), um 1950
Berliner Wandbild, Skizze zur 1. Fassung, (Ausschnitt), um 1950
Wasser- und Deckfarben, 15,5 × 64 cm, Max-Lingner-Stiftung

Dank seiner Erfahrung bei der Gestaltung von Großdekorationen für die Humanité-Pressefeste in Paris, gewann Lingner 1950 die Ausschreibung für ein Wandbild am Haus der Ministerien in Berlin. Doch durch die Formalismus-Diskussionen jener Jahre mußte der Künstler seinen Entwurf sechs Mal überarbeiten, bevor DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl mit dem Ergebnis zufrieden war. Dieses wurde auf 3 × 24 Meter vergrößert, auf Meißner Kacheln übertragen und in der Pfeilerhalle an der Leipziger Straße angebracht, wo es bis heute «in narrativen Einzelbildern das Idealbild einer neuen Gesellschaft» zeigt. (Monika Flacke, Auftragskunst der DDR 1949-1990, 1995, S. 65)

Illustration zu «Marseille ist kein Hafen» – von Hermann Burkhardt, um 1954, Tusche, 15 × 20,5 cm, Max-Lingner-Stiftung

Illustration zu «Marseille ist kein Hafen» – von Hermann Burkhard
Illustration zu «Marseille ist kein Hafen»
von Hermann Burkhardt, um 1954
Tusche, 15 × 20,5 cm, Max-Lingner-Stiftung

In den 1950er Jahren schuf Lingner erneut Illustrationen für literarische Werke. Nachdem er bereits 1929 das Märchen vom «Fischer und seiner Frau» sowie 1930 Henri Barbusses «Le chevrier» (Der Ziegenhirt) illustriert und 1936/37 während seiner Tätigkeit als Pressezeichner für die Zeitung l‘Humanitè «Die Königin Margot» von Alexandre Dumas als Fortsetzungsroman zeichnerisch begleitet hatte, erschienen in der DDR ab 1955 mehrere Bücher mit Illustrationen des Künstlers: «Marseille ist kein Hafen» und «Der Eiffelturm bleibt in Paris» von Hermann Burkhardt, «Nacht über Paris» von Paul Tillard und «Russische Meistererzählungen».