1941
17 × 21 cm
Tusche und Deckfarbe
Max-Lingner-Stiftung
Diese Tuschezeichnung mit blauer Farbe zeigt das Internierungslager in Gurs. Dorthin wurde Lingner im Oktober 1940 zusammen mit allen noch in Les Milles verbliebenen Inhaftierten gebracht. Gurs liegt auf einem Hochplateau nördlich der Pyrenäen und 50 km vor der spanischen Grenze. Die einfachen Baracken schützten weder vor Kälte noch vor Hitze, die hygienischen Zustände waren katastrophal und die Verpflegung mangelhaft. Lingner zeichnete dieses Mal die Baracken, die Berge, die Kälte, die Absperrungen mit dem Stacheldraht und die Scheinwerfer. Auch die dunklen Silhouetten von vier Personen sind zu sehen, die sowohl Wachen als auch Gefangene sein können. Lingner hatte im Lager Zugang zu Malmaterial, denn er konnte als Lehrer für die Kinderhilfe des Schweizer Roten Kreuzes arbeiten. Er gab jüdischen, spanischen sowie französischen Kindern unter zehn Jahren Zeichenunterricht. Wie wichtig diese Erfahrung für ihn war, lässt sich daran ablesen, dass er einige Kinderzeichnungen aufbewahrt hat, die sich noch heute im Nachlass befinden.