um 1931
20,7 × 26,8 cm
Tusche
Max-Lingner-Stiftung
Für die Darstellung des Pariser Vorortes St. Denis wählt Lingner nicht die berühmte Kathedrale, in der sich die Grablege der französischen Könige befindet, sondern dieses unscheinbare Viertel. Er zeichnet Wohnhäuser, Fabrikgebäude, Schornsteine und Telegrafenmaste. Dass es sich im Vordergrund um das Ufer der Seine handelt, ahnt man durch den einsamen Angler unten rechts, hinten links ist auch eine Brücke zu erkennen. 1931 hatte Lingner begonnen, regelmäßig für die von Henri Barbusse herausgegebene Wochenzeitung Monde zu arbeiten. Aus diesem Grund hat er viel in der Stadt skizziert, auf den Straßen im Zentrum aber vor allem in den Vororten. Er fing die Öde und bauliche Anarchie der Banlieue ein, denn er interessierte sich für die Viertel, in denen die Arbeiter mit ihren Familien wohnten. 1953 erschien im Dresdner Verlag der Kunst das Buch Banlieue mit Aquarellen von Lingner und Gedichten von Rudolf Leonhard.