Zigarettenraucherin

um 1947
30,4 × 21,2 cm
Tusche
Max-Lingner-Stiftung

Einen besonderen Platz in Lingners malerischem Werk nimmt das Gemälde Madame R. G., Abgeordnete der französischen Nationalversammlung aus dem Jahr 1947 ein. Ungewöhnlich ist nicht die Darstellung — eine Frau im weißen Kleid sitzt mit überschlagenen Beinen auf einem Holzstuhl vor einer blauen Wand und sieht den Betrachter direkt an — auffallend ist, dass es sich um ein konkret zuzuordnendes Porträt handelt. R. G. steht für die kommunistische Politikerin Rose Guérin (1915–1998), die zu dieser Zeit Abgeordnete des Departement Seine, der westlichen Banlieue von Paris, war, sich für die Belange der Frauen einsetzte und 1947 einen Gesetzesvorschlag machte, um Frauen nach der Geburt eines Kindes neun Monate arbeitsfreie Zeit zu ermöglichen.
Die Tuschezeichnung ist vermutlich als Vorarbeit für dieses Porträt entstanden und weist ein unübersehbares Detail auf, das im Gemälde fehlt: Die Frau hält eine Zigarette in der Hand. Rauchende Frauen waren in Paris in den 1940er Jahren ein relativ alltägliches Bild, Rauchen in der Öffentlichkeit wurde als Zeichen von Emanzipation und Eleganz wahrgenommen.