26. Mai, 19 Uhr

Fordismus und Leninismus
Die Sachlichkeit der Kapitalisten und der Revolutionäre 1919–1936 

Vortrag von Dr. Eckhart Gillen
Moderation: Thomas Flierl

Fordismus und Leninismus im Vergleich: Die sowjetische Kollektivmoderne kopierte bis ins Detail die Methoden und Verfahren, den Stil und die Dynamik der amerikanischen Individualitätsmoderne. Henry Fords autarkes Fabrikimperium als Staat im Staat steht Lenins Konzeption des Staates als Fabrik gegenüber. Auf den Bildern des modernen Lebens in Amerika sind zumindest in den 1920er Jahren keine Menschen oder nur winzig kleine, ameisenhafte Figuren zu sehen. In der Sowjetunion dagegen steht der Mensch im Mittelpunkt, er ist der Beweger der Maschinen, mit denen die Grundlagen des zukünftigen gesellschaftlichen Reichtums im Kommunismus geschaffen werden.

Das Video der Veranstaltung kann hier kostenlos angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=mUZHkwABIEQ

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

16. Juni, 19 Uhr

Der Bauhäusler Robert Lenz
Spuren einer Nicht-Karriere in der DDR 

Vortrag von Günter Höhne
Moderation: Thomas Flierl

Seit Ende 1950 war der Dessauer Bauhaus-Schüler mit dem Schwarzenberger Künstler und Formgestalter Hans Brockhage befreundet und gleichzeitig auch Architekt für dessen Wohn- und Atelierhaus in der Erlaer Straße. Robert Lenz und Hans Brockhage verband eine enge Ideenaustauschpartnerschaft, von der beide profitierten. Ihre Bekanntschaft schlossen sie, als Robert Lenz in Schwarzenberg mit dem Auftrag befasst war, die Montagestrecke für neue Generationen von Haushaltwaschmaschinen zu entwerfen und einzurichten. Bereits zuvor hatte er Haushalt- und andere Metallgeräte u. a. für die VVB EBM (Eisen-, Blech- und Metallwaren) im damaligen Karl-Marx-Stadt entworfen.

Zwischen 1946 und 1950 war der in Schopfheim (Baden-Württemberg) geborene Lenz in der SBZ und frühen DDR mit außergewöhnlichen Schulbau-Projekten in Berlin, Brandenburg und Thüringen hervorgetreten, fiel dann aber nach 1950 der »Formalismus»-Kampagne der SED zum Opfer.

Das Video der Veranstaltung kann hier kostenlos angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=m9Ub1h4kZWY

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

11. August 2021, 19 Uhr

Relocating Memories 

Videopräsentation und Gespräch mit Luise Schröder (Leipzig)
Moderation: Thomas Flierl

In ihren Arbeiten, Videos und Publikationen setzt sich die Künstlerin Luise Schröder mit der Rekonstruktion und Instrumentalisierung von Geschichte in der Gegenwart auseinander. Sie studierte Fotografie und Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und ist seit 2018 Jury-Mitglied des Hans-und-Lea-Grundig-Preises. Im Max-Lingner-Haus wird sie ausgewählte Videoarbeiten präsentieren und anschließend über Fragestellungen im Umgang mit historischen Narrativen und Formen des Gedenkens und Erinnerns im Feld der Zeitgenössischen Kunst sprechen.

Das Video der Veranstaltung kann hier kostenlos angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=Hvbxm7u83eM

18. August 2021, 19 Uhr

Der Intellektuelle Heinrich Mann – heute und 1936/37 

Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Klein
Moderation: Birgit Ziener

Die Jahre 1936/37 bildeten den Höhepunkt des politischen Engagements Heinrich Manns – und seines Scheiterns. Das deutsche Volk beschwor er zu einem Widerstand, den nur sehr wenige leisteten. Der von ihm geleitete Ausschuss zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront blieb ohne Unterstützung des Bürgertums, wurde von der Führung der Exil-SPD boykottiert und zerbrach am fehlenden demokratischen Verantwortungsgefühl der KPD. Die Sowjetunion erwies sich nicht als der «grösste Versuch der unbedingten Befreiung der Menschen» für den er sie nahm. Die Spanische Republik unterlag den Putschisten. Frankreich schloss sich der englischen Appeasement-Politik an. Der Vortrag betrachtet die Haltung eines Intellektuellen, der sich in die Realpolitik nicht ergab, weil er sie an dem maß, was hätte sein sollen, und reflektiert die Lücken der Erinnerung an Heinrich Mann im heutigen Deutschland.

Das Video der Veranstaltung kann hier kostenlos angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=4RPSt2k1h1M

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

25. August 2021, 19 Uhr

Das Architektenpaar Margarete Schütte-Lihotzky und Wilhelm Schütte im Widerstand 1941–1945  

Buchvorstellung. Christine Fischer-Defoy im Gespräch mit dem Herausgeber Thomas Flierl 

Als herausragende Architektin einer sozialen Moderne und verfolgte kommunistische Widerstandskämpferin ist Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) eine legendäre Gestalt der österreichischen Zeitgeschichte, die erst spät Anerkennung in ihrem Heimatland fand. Bislang unbekannt blieb, dass sich nicht nur einige wenige von ihr ins Archiv der Universität der Angewandten Kunst Wien gegebene Briefe, sondern fast der gesamte Briefwechsel während ihrer Haftzeit (1941–1945) zwischen den Eheleuten Wilhelm Schütte (1900–1968) und Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) erhalten hat. Er wurde von Margarete aufbewahrt und erst nach ihrem Tode aufgefunden.

Thomas Flierl hat diesen Briefwechsel nun herausgegeben und kommentiert. Beide waren auf Vermittlung von Bruno Taut ab 1938 als Architekten in Istanbul tätig. Bei einer Kurierfahrt für die KPÖ nach Wien wurde Margarete Schütte-Lihotzky dort verhaftet und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wilhelm Schütte blieb in Istanbul und leistete ebenfalls – auf bisher unbekannte Weise – Widerstand gegen das Nazi-Regime.

Anhand des Briefwechsels und gestützt auf die Prozess-Akten im Bundesarchiv, die neueren Forschungen zum Widerstand der KPÖ jener Jahre, eigene Recherchen in der Türkei sowie auf Dokumente des Komintern-Archivs in Moskau und The National Archives in London zeichnet Thomas Flierl in einem umfangreichen Nachwort das Leben von Margarete und Wilhelm Schütte zwischen 1937 und 1945 nach.

Das Video der Veranstaltung kann hier kostenlos angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=xvNKbTxc2i8

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

1. September 2021, 19 Uhr

Architekturvortrag 31

Poetischer Funktionalismus 

Vortrag von Prof. Dr. Simone Hain
Moderation: Thomas Flierl

Im Kontrast zu Deutschland, wo das «Neue Bauen», und insbesondere Bauhaus und Funktionalismus, immer als suspekte Bedrohung wahrgenommen und kritisiert worden sind, hatte Tschechien keine Hemmungen, die Moderne als Ausdruck nationaler kultureller Identität zu umarmen. Hier entfaltete sich über sieben Generationen hinweg eine kontinuierliche Tradition, auf deren Höhepunkt der Funktionalismus im Prager Frühling als Ästhetik des Reformsozialismus proklamiert werden konnte. Der Vortrag erläutert an Beispielen von Räumen und Gegenständen die Spezifik der poetischen Variante des Funktionalismus als einer, auch widerständigen, kulturpolitischen Programmatik «von unten».

Das Video der Veranstaltung kann kostenlos hier angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=vxIvlDm3gmQ

8. September 2021, 19 Uhr

Architekturvortrag 32

Egon Hartmann – Urbanist in Ost und West  

Vortrag von Dr.-Ing. Rainer Metzendorf (Mainz)
Moderation: Thomas Flierl

Dr.-Ing. Egon Hartmann (1919–2009), der sich selbst «Urbanist» nannte, war eine Schlüsselperson für den Städtebau der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland. Durch seine beruflichen Stationen in Weimar, Erfurt, Berlin, Mainz und München hat er wie wohl kaum ein Zweiter sowohl im Osten als auch im Westen beim Wiederaufbau zerstörter Städte Maßstäbe gesetzt. In einem reich bebilderten Vortrag und mit dem Schwerpunkt auf seine Zeit nach der DDR wird Egon Hartmann als Stadtplaner, Architekt, Stadtforscher und Künstler von seinem Biografen vorgestellt. 

Das Video der Veranstaltung kann kostenlos hier angesehen werden: https://youtu.be/PCS8vqwXBcA

6. Oktober 2021, 19 Uhr

Zwischen den Zeiten. Die späten Jahre der DDR 

Vortrag von und Buchvorstellung mit Gunnar Decker
Moderation: Thomas Flierl

Die Biermann-Ausbürgerung hatte die DDR-Gesellschaft 1976 in eine Melancholie gestürzt, aus der sie 1985 mit Michail Gorbatschow erwachte. Jetzt kehrte die Utopie zurück. Vor allem Intellektuelle, Künstler und Aussteiger aller Art lebten sie. Dem westlichen Siegerblick nach 1990, der die Geschichte der Ostdeutschen bis heute dominiert, entgeht zumeist dieser Emanzipationsprozess, der lange vor 1989 einsetzte. Umso mehr scheint hier eine Korrektur nötig: die Aneignung der eigenen – höchst widersprüchlichen – Geschichte durch die Akteure dieser Geschichte.

Das Video der Veranstaltung kann kostenlos hier angesehen werden: https://youtu.be/pcYBee-3xok

13. Oktober 2021, 19 Uhr

Ernst Ludwig Kirchner: Boheme-Identität, Exilerfahrung und Bekenntnis zum «nationalen Aufbruch» 

Vortrag von Christian Saehrendt (Thun, Schweiz), anschließend im Gespräch mit Eckhart Gillen

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) gilt als Ikone des deutschen Expressionismus, aber auch als vielschichtige, politisch ambivalente Persönlichkeit. Seine Vita war essentiell geprägt von der Spannung zwischen Boheme-Identität und nationaler Sendung, von der Diskrepanz zwischen einem eigensinnigen, eigentlich apolitischen und rebellischen Künstlerindividualismus und apodiktisch verkündeten Ressentiments, die nur zu gut zum totalitären Zeitgeist passten. Auf der Basis seiner Briefwechsel und Schriften zeichnet der Vortrag Kirchners Leben im Schweizer Exil nach, wohin er sich 1917 geflüchtet hatte, um dem Kriegsdienst zu entgehen.

Das Video der Veranstaltung kann kostenlos hier angesehen werden: https://youtu.be/th-cUZGBEpM

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

20. Oktober 2021, 19 Uhr

«Die Kunst ist das Aschenbrödel in unserem sächsischen Staate…»
Tendenzen sächsischer Kunstpolitik in der Zeit der Weimarer Republik 

Vortrag von Anke Dietrich (Dresden), Moderation: Kathleen Krenzlin

Die ehemalige Residenzstadt Dresden galt dank seiner lebendigen Kunstszene, den fortschrittlichen Galerien und öffentlichen Sammlungen mit modernster Malerei und Plastik neben Berlin als die Kunstmetropole der «Goldenen Zwanziger» im Deutschen Reich. Gleichzeitig sorgte die Nähe zu Landtag und Regierung für spannungsvolle Wechselwirkungen zwischen Politik und Kunst und machte die Stadt zum Zentrum relevanter kulturpolitischer Entscheidungen. Doch auch Chemnitz und Zwickau wurden zu Schauplätzen bedeutender Diskurse, die über die sächsischen Grenzen hinaus Resonanz fanden. Der Vortrag gibt einen Überblick über Netzwerke und federführende Protagonisten der sächsischen Kunstpolitik.

Das Video der Veranstaltung kann kostenlos hier angesehen werden: 
https://youtu.be/vNEADc1n03A