Max Lingner

Max Lingner, Zeichnung in l’Avant-Garde vom 6. März 1937

Veranstaltungsprogramm Frühjahr/Sommer 2017
Unser aktuelles Programm ist hier auch als PDF abrufbar.
3. Mai 2017, 19 Uhr

Max Lingner — «Maître de la Réalité».
Spurensuche in Paris und der Banlieue

Vortrag von Dr. Ines Rotermund-Reynard (Paris)

«Wie Grosz und Dix hat er in der Dresdner Kunstakademie mit bestem Erfolg seine Ausbildung in entarteter Kunst erhalten», schrieb der Kunstkritiker Paul Westheim 1939 spöttisch-ironisch anlässlich einer Ausstellung Lingners in der Pariser Galerie Billiet. Das war eine Würdigung, denn seit 1933 war auch Lingner zum Exilanten geworden und engagierte sich vehement mit Pressezeichnungen, Malerei und politischen Aktionen gegen die Machthaber in Berlin. Doch wie die meisten seiner Mitstreiter wurde er zu Beginn des Zweiten Weltkrieges als sujet ennemi von den Franzosen interniert. Der Vortrag versucht Max Lingner topographisch auf die Spur zu kommen, ausgehend von «seinen» Orten, der Galerie Billiet, der Redaktion von MONDE, seinen Wohn-und Arbeitsorten bis hin zu den Akten der Préfecture de police.

31. Mai 2017, 19 Uhr

Elan ohne falsches Pathos —
Die Pariser Bilder Max Lingners

Vortrag von Dr. Angelika Weißbach

Obwohl sich Max Lingner im Paris der 1930er und 1940er Jahre vor allem als Pressezeichner der kommunistischen Zeitungen MONDE und l’Humanité einen Namen gemacht hat, galt seine Leidenschaft weiterhin der Malerei. Seine in Frankreich entstandenen Gemälde seien «gestaltetes Leben, sie haben Elan, ohne falsches Pathos», wie der bekannte Kunstkritiker Paul Westheim am 3. Mai 1939 in der Pariser Tageszeitung schrieb.
Lingners malerische Werke, deren Rezeption — er konnte sie erfolgreich auf drei Personal-Ausstellungen zeigen und auch an französische Museen verkaufen — sowie seine Schenkung an das deutsche Volk im Jahr 1949 stehen im Zentrum des Vortrages.

14. Juni 2017, 20.30 Uhr

Filme aus der Zeit der Volksfront 1
La Belle Équipe

(Die Zünftige Bande, F, 1936)
Einführung und Gespräch mit Dr. Regina Câmara

Mit dem Wahlsieg des Front Populaire waren die Arbeiter im Jahr 1936 in Frankreich gesellschaftlich und politisch zu Protagonisten geworden. Die Gewerkschaften setzten bezahlte Ferien, eine Altersvorsoge und eine Arbeitswoche von 40 Stunden durch, zuletzt im Rahmen des umfangreichsten Streiks, den Frankreich jemals erlebt hatte («Pain, Paix, Liberté»). Der Film von Regisseur Julien Duvivier greift die schwierigen Lebensbedingungen der Arbeiter auf und verwebt sie mit der Geschichte einer Gruppe arbeitsloser Freunde, denen gemeinsam einen Lottogewinn zufällt. Sie werden unternehmerisch tätig. Das mit Enthusiasmus begonnene Vorhaben endet im finanziellen und menschlichen Desaster.

Filmvorführung in deutscher Synchronisation

28. Juni 2017, 20.30 Uhr

Filme aus der Zeit der Volksfront 2
La Bête Humaine

(Bestie Mensch, F, 1938)
Einführung und Gespräch mit Dr. Regina Câmara

Ein Mann und seine Maschine: Jean Gabin ringt als Lokführer mit der gewaltigen Maschinerie, dem Staub, der Lautstärke und dem rauchenden Feuer des Lokmotors. Er versucht sie zu dominieren, wie er auch versucht, seine Triebe zu beherrschen. Jean Renoir verfilmte einen Roman von Émile Zola. Ähnlich wie La Belle Équipe handelt auch La Bête Humaine von Ausweglosigkeit, von dem Leiden an der Gesellschaft und an sich selbst. Der Protagonist liefert sich seinen Passionen aus und begeht ein Verbrechen. Die tragische Geschichte konterkariert die optimistische Stimmung, die der Sieg des Front Populaire bei den Wahlen 1936 nicht nur unter den Arbeitern hervorrief.

Filmvorführung in deutscher Synchronisation