Max Lingner

Max Lingner, Illustration in La Vie Ouvrière vom 20. Januar 1938, S.1

Liebe Besucher*innen und Freund*innen des Max-Lingner-Hauses!
Leider sehen wir uns wegen der Conora-Pandemie gezwungen, alle Veranstaltungen des Frühjahrsprogramms im Max-Lingner-Haus abzusagen. Wir werden uns bemühen, die Vorträge nach Möglichkeit nachzuholen und werden Sie auf dem Laufenden halten.

Ausstellung

14. März – 17. Mai 2020

Max Lingner. À la recherche du temps présent
Eine Ausstellung der Max-Lingner-Stiftung
im Musée de l’Histoire vivante Montreuil (Seine Saint-Denis)

«Der Darsteller des Pariser Arbeiters konnte Lingner nur werden, weil er ein maître de la réalité ist, Wirklichkeitsbeobachter, Wirklichkeitsfanatiker, versessen darauf, festzuhalten, was ist. Das gibt auch seinen Bildern den Halt, sie sind gestaltetes Leben, sie haben Elan ohne falsches Pathos.» (Paul Westheim, 1939 in der Pariser Tageszeitung anlässlich einer Ausstellung Lingners in der Pariser Galerie Billiet)

Die Max-Lingner-Stiftung freut sich, erstmals seit 1984 Werke Lingners in einer Einzelausstellung in Frankreich zeigen zu können!

Basierend auf der in Kooperation mit dem Centre Marc Bloch konzipierten gleichnamigen Ausstellung wird die Schau für das Museum in Montreuil um eine größere Anzahl von Pressezeichnungen/Originalzeitungen aus den Beständen des Museums erweitert. Sie erinnert an die produktive und bewegte Zeit, die Lingner in Frankreich verbrachte (1928–1949), zeigt seine Involviertheit als zeichnerischer Chronist des Front Populaire in den 1930er Jahren und macht Verbindungen zwischen seiner Arbeit in Paris und nach der Rückkehr in Ost-Berlin kenntlich.

27. Mai 2020, 19 Uhr

Frans Masereel — Hanns Conon von der Gabelentz —
Entstehung der Sammlung und der Bibliographie

Vortrag von Leopold von der Gabelentz

In seinem Vortrag geht der Sohn nicht nur auf die reine Sammlertätigkeit seines Vaters ein, sondern schildert auch das gesellschaftliche und politische Umfeld, in dem die Sammlung ihren Ursprung nahm und sich im Laufe eines ganzen Lebens entwickelte. Er schildert auch die ersten Versuche der Erstellung einer Bibliographie des Masereel’schen Oeuvres vom Ende der 1920er Jahre an bis zur Veröffentlichung 1975. Der Vortrag unternimmt auch den Versuch, die in der Literatur bisher kaum beachtete Beziehung zwischen Masereel und Max Lingner während ihrer gemeinsamen Zeit in Paris ab 1928 zu skizzieren.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

10. Juni 2020, 19 Uhr

Ernst Ludwig Kirchner: Bohème-Identität, Exilerfahrung
und Bekenntnis zum «Nationalen Aufbruch»

Vortrag von Christian Saehrendt (Thun, Schweiz),
anschließend im Gespräch mit Eckhart Gillen

Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) gilt als Ikone des deutschen Expressionismus, aber auch als vielschichtige, politisch ambivalente Persönlichkeit. Seine Vita war essentiell geprägt von der Spannung zwischen Bohème-Identität und nationaler Sendung, von der Diskrepanz zwischen einem eigensinnigen, eigentlich apolitischen und rebellischen Künstlerindividualismus und apodiktisch verkündeten Ressentiments, die nur zu gut zum totalitären Zeitgeist passten. Auf der Basis seiner Briefwechsel und Schriften zeichnet der Vortrag Kirchners Leben im Schweizer Exil nach, wohin er sich 1917 geflüchtet hatte, um dem Kriegsdienst zu entgehen.