Max Lingner

Max Lingner: Illustration in L’Avant-Garde vom 26. Juni 1937

Veranstaltungsprogramm Frühjahr/Sommer 2018
Unser aktuelles Programm ist hier auch als PDF abrufbar.

30. Juni 2017 – 17. Juni 2018

Max Lingner in der Ausstellung Neue/Alte Heimat im Kunsthaus Dahlem
In der Ausstellung mit etwa 50 Werken werden unterschiedliche Gruppierungen beleuchtet: Emigrierte Künstlerinnen und Künstler, die nicht nach Deutschland zurückkehrten. Exilanten deren Rezeption nach 1945 verhindert oder verzögert wurde und willkommene Rückkehrer, deren Remigration gefördert wurde. Aber auch Künstlerinnen und Künstler, die sich in die innere Emigration begaben, werden gewürdigt. Max Lingner ist mit Entwürfen zum Wandbild aus den frühen 1950er Jahren zu sehen.

Weitere Infos zur Ausstellung hier.

Beitrag im Museumsjournal (PDF)

7. März 2018, 19 Uhr

Über Zeitgeist und Geschichtsschreibung: Buchenwald und seine Nachgeschichte
Vortrag von Dr. Sonia Combe (Paris/Centre Marc Bloch, Berlin)

Ausgehend von dem Fall des «Buchenwald-Kindes», das politische Häftlinge vor seinem Transport nach Auschwitz retteten, untersucht Combe die zweifache Instrumentalisierung dieser Geschichte. Während Stefan J. Zweig in der DDR als Symbol für die Mensch­lichkeit der kommunistischen Gefangenen überhöht wurde, wird er heute auf das Symbol eines von der DDR konstruierten «Mythos ­des Antifaschismus» reduziert. Diese neue Geschichtsschreibung muss sich aber ebenfalls die Frage nach der Unabhängigkeit des Historikers vom herrschenden Zeitgeist stellen lassen.

21. März 2018, 19 Uhr

Erinnerung an Lothar Kühne 1
Schwingkreise der Erregung
Vortrag von Prof. Dr. Jörg Petruschat (weißensee kunsthochschule berlin)

Welches Potenzial steckt im Konzept der Resonanz, das Lothar Kühne zum exemplarischen Fall ästhetischer Beziehungen erklärt hat — knapp vierzig Jahre bevor der Soziologe Hartmut Rosa die­sem Begriff 2016 zu aktueller Konjunktur verhalf? In Distanz zu Rosas soziologischen Erwägungen weist Petruschat entlang neuester Forschungsprojekte in Design, Robotik, Naturwissen­schaften auf die konzeptionsbildende Kraft der von Lothar Kühne eingesetzten Verbindung der Denkmodelle von Gestaltung und Resonanz hin. Über Kühnes Positionen hinausgehend wird er den Gedanken entwickeln, warum es von Vorteil sein kann, Gestal­tung als Basisprozess aller Erkenntnis- und Wissensproduktion anzu­erkennen.

11. April 2018, 19 Uhr

Architekturvortrag 21
Жемчуг|Perle. Objektbiografie eines Experimentalbaus der Sowjetmoderne
Vortrag und Film von Vera Heinemann (Bauhaus-Universität Weimar)

Das Жемчуг wird 1972 im damals sowjetischen Taschkent als Wohn­experiment geplant und erst 1985 fertiggestellt. Die Pläne für den Bau sind heute verschwunden, wie auch die Substanz des Gebäudes unter seinen Transformationen nach und nach ver­schwin­det. Welche Werte dem bisher kaum erforschten Gebäude dennoch verbleiben und welch utopisches Denken in dieser Zwischenrealität freigesetzt wird, zeigen die Recherchen der Autorin. Sie können einen Anstoß zu einer Debatte über den Denkmalwert des Objekte geben.

18. April 2018, 19 Uhr

Von Berlin nach Haifa und zurück.
Die Malerin Beatrice Zweig (1892–1971)

Vortrag von Dr. Chana Schütz (Stiftung Neue Synagoge Centrum Judaicum)

Das Museum Pankow widmete der Berliner Künstlerin 2017 eine umfassende Ausstellung, vor allem mit Landschaftsbildern, viele mit dem Blick auf das Mittelmeer und die Küste von Palästina, meist vom Karmel aus, einem Höhenzug vor der Hafenstadt Haifa, wo Beatrice und ihr Mann Arnold Zweig von 1934 bis 1948 lebten. Nach der Rückkehr nach Berlin blieben Meer und Küste, Gebirge, Bäume, Blumen und Gärten ihre künstlerischen Themen. Vor allem ihr eigener Garten in der Homeyerstraße 13 wurde für Beatrice Zweig zum ­Refu­gium wie zur künstlerischen Quelle ihrer Malerei. Von Berlin nach Haifa und zurück — der Weg einer Berliner Jüdin, einer Malerin und einer Zeugin für das Drama des 20. Jahrhunderts.

25. April 2018, 19 Uhr

Architekturvortrag 22
Vyborg: Finnisch-sowjetisches Palimpsest
Vortrag von Ksenija Litvinenko (St. Petersburg/Prag), in Englisch

Die Geschichte der sowjetischen Architektur wird zumeist los­gelöst von der übrigen Welt betrachtet. Dem stellt der Vortrag eine ­trans­nationale und systemübergreifende Analyse gegenüber — fokussiert auf die Wechselwirkung von sowjetischen und finnischen Architekten bei der Entwicklung Vyborgs, der einst finnischen Stadt Viipuri, die nach dem Zweiten Weltkrieg der Sowjetunion ange­gliedert wurde. Im Zentrum steht die Geschichte der Bibliothek von Alvar Aalto (1927–1935), die in den Kriegen zerstört, in den 1950–60er Jahren «sowjetisch» rekonstruiert und vor kurzem in russisch-finnischer Zusammenarbeit restauriert wurde.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

9. Mai 2018, 19 Uhr

Berliner Museumsfragen
Nikolaus Bernau (Feuilletonist der Berliner Zeitung) im Gespräch mit Dr. Christian Hufen (Historiker)

Der 1990 begonnene Berliner Museumsstreit um die Art und Weise sowie die Ziele der Zusammenführung der Staatlichen Museen endete mit einem vorläufigen «Sieg» derjenigen, die die seit den 1960er Jahren für West-Berlin entwickelten Pläne vor allem für den Bau der Neuen Gemäldegalerie realisieren wollten, ohne Rücksicht auf die historischen Bauten der Museumsinsel. Schon damals zeigte sich ein seither immer wieder zu beobachtendes Muster: An die Stelle von konzeptionellen Debatten über die Ziele und Inhalte von Museen und Bibliotheken traten umfangreiche Neubauprojekte. Bald haben wir die Neubauten, doch die Probleme bleiben bestehen. Die profunde Kritik des Museumsexperten regt an, über den Auftrag der Staatlichen Museen, die Potenziale der Berliner Sammlungen und Alternativen zum Massentourismus nachzudenken.

23. Mai 2018, 19 Uhr

Radiofeature 25
Sowjetische Frauen während des Zweiten Weltkriegs
Feature von Antje Leetz und Charlotte Misselwitz (DLF Kultur, 2017)

Aus dem brandenburgischen Tröbitz ist eine Geschichte aus den letzten Kriegstagen bekannt: Ein Offizier der Roten Armee soll die Dorfbewohner gezwungen haben, typhuskranke Juden aufzuneh­men. Das Besondere: Der Offizier war eine Frau.
Eine Million junger sowjetischer Frauen haben im Krieg gekämpft. Beim Betrachten alter Fotos entdecken die beiden Autorinnen, dass sie widersprüchliche Vorstellungen von den Frauen dieser Zeit haben. Wo die Ältere Weiblichkeit und Stärke sieht, denkt die Jüngere an Geschichten über Gewalt, die ihre Großmutter über die Rote Armee erzählt hat. Im heutigen Moskau suchen die beiden bei ehemaligen Rotarmistinnen und ihren Enkelinnen nach Antworten.

6. Juni 2018, 19 Uhr

Erinnerung an Lothar Kühne 2
Von den Qualen, die staatssozialistische Moderne zu denken
Vortrag von Prof. Dr. Michael Brie (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Zum Mit-Tun in dem immer mehr den kommunistischen Geist verlie­renden Betrieb von Partei, parteilicher Wissenschaft und Lehre sich verpflichtend und zugleich bestrebt, seinem Tun einen revo­lutionären Sinn zu geben, hat der überzeugte kommunistische Intellektuelle von sich das Unmögliche verlangt und das Mögliche erreicht: eine unge­wöhnliche Erkundung der Widersprüche zwischen Staats­sozia­lismus und kommunistischer Vision.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

20. Juni 2018, 19 Uhr

Architekturvortrag 23
«Der gefesselte Dnepr» oder «Der sozialistische Angriff auf die Natur»
Vortrag von Dr. Thomas Flierl

Schon seit Peter I. gab es Pläne zur Regulierung des Flusses. Erst mit der Elektrifizierung des ganzen Landes (GOELRO-Plan von 1920) verwirklichte die Sowjetmacht diese Idee und schuf mit dem Dnepr-Staudamm und dem zugehörigen Wasserkraftwerk (1927–1932) die energetische Basis für die Industrialisierung der Ost-Ukraine, die sich auf die Kohle- und Eisenerzvorkommen ­der Region stützte. Das Wasserkraftwerk und die zeitgleich errichtete Wohnstadt für die Industriemetropole Zaporož’e (за порогами — hinter den Stromschnellen) gehörten zu den «Giganten» des1. Fünfjahrplans und sind einzigartige Zeugnisse der Architektur ­des sowjetischen Konstruktivisten Viktor Vesnin (1882–1950).