Max Lingner

Max Lingner, Illustration in l’Avant-Garde vom 18. Juli 1936, S.3

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23. Oktober 2019, 19 Uhr

Mensch–Natur–Technik.
Geschichte und Wiederherstellung des Erfurter Wandbildes von Josep Renau

Vortrag von Dr. Oliver Sukrow (Wien/Mannheim)

Die im September 2019 abgeschlossene Wiederherstellung des Wandbildes Der Mensch in Bezug zu Natur und Technik (1979–1984) des spanischen Künstlers Josep Renau (1907–1982) am Moskauer Platz in Erfurt bietet Anlass, einen neuen Blick auf Entstehung und Kontext des Werks zu werfen. Als letztes monumentales Bild Renaus in der DDR repräsentiert es nicht nur eine biografische Zäsur in seinem Schaffen, sondern markiert auch einen Perspektivwechsel. Der Vortrag präsentiert neue Archivfunde, erörtert die Ikono­grafie, erläutert den Entwurfs- und Herstellungsprozess sowie die denkmalpflegerische Restaurierung des Wandbildes.

30. Oktober 2019, 19 Uhr

Heisig malt Schmidt
Vortrag von Kristina Volke (Kunstsammlung im Deutschen Bundestag)

Nach dem Ende seiner Kanzlerschaft wurde Helmut Schmidt 1982 gebeten, einen Maler für sein offizielles Porträt zu benennen. Er entschied sich für Bernhard Heisig, der von den Feuilletons der Bundesrepublik noch zumeist als «Staatskünstler» an­­ge­se­hen wurde. Schmidt ließ sich davon nicht beirren. Nach län­geren Vorbereitungen reiste er 1986 zwei Mal nach Leipzig, um dem Maler Modell zu sitzen. Seine Besuche wurden von der Staatssicherheit aufwändig überwacht. Der Vortrag erzählt von zwei Männern, deren Lebenswege nicht unterschiedlicher hätten sein können und die sie trotzdem zu Wesensverwandten machten.

6. November 2019, 19 Uhr

Kandinskys «Bilder-Atlas» für seinen Unterricht am Bauhaus
Vortrag von Dr. Angelika Weißbach

Wassily Kandinsky war elf Jahre als Lehrer am Bauhaus tätig. In Weimar leitete er von 1922 bis 1925 die Werkstatt für Wandmalerei und unterrichtete in der Grundlehre. In Dessau konzentrierte er sich zunächst auf das 1. Semester und bot ab Sommer 1928 zusätzlich eine freie Malklasse sowie ein Seminar in der Hauptlehre an. Dass ein wichtiger Bestandteil dieses Seminars ein «Bilder-Atlas» war, den sich Kandinsky aus zufällig gefundenen Fotos und Abbildungen zusammengestellt hatte, konnte Angelika Weißbach im Rahmen ihrer Forschungen nachweisen.

13. November 2019, 19 Uhr

Planlose Denkmalpflege?
Die Bedeutung der «Vertrauensmänner» für die Denkmalpflege in der DDR

Vortrag von Franziska Klemstein (TU Berlin)

Für die DDR-Denkmalpflege der 1950er Jahre wird häufig eine gewisse Planlosigkeit konstatiert. Dass es dennoch eine wirksame institutionelle Denkmalpflege in der DDR gab, lag u.a. in den vielfältigen persönlichen Netzwerken begründet. Weitestgehend unabhängig von politischen Entscheidungen, sorgten ehrenamtliche Denkmalpfleger, die den Arbeitsstellen des Instituts für Denkmalpflege als «Vertrauensmänner» zugeordnet waren, für Stabilität. Auf den Spuren von Käthe Rieck zeigt der Vortrag die Arbeit und Bedeutung dieser Vertrauensleute für Denkmalpflege auf.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

27. November 2019, 19 Uhr

Baubezogene Kunst.
DDR: Kunst im öffentlichen Raum 1950 bis 1990

Vortrag von Martin Maleschka (Cottbus)

Zu den kulturellen Hinterlassenschaften der DDR gehört eine bemer­kenswert große Anzahl an Kunstwerken im öffentlichen Raum. Heute sind viele dieser Arbeiten akut von der Zerstörung bedroht. Der Cottbusser Architekt und Fotograf Martin Maleschka hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese gefährdete Kunstgattung dokumentarisch zu erfassen. Über die Jahre hat er die derzeit umfangreichste Bild-Dokumentation von architekturbezogener Kunst der DDR aufgebaut. Daraus ist die 2019 als Architekturführer kon­zipierte Publikation entstanden. Maleschka hat dafür 120 Kunstwerke zwischen Ostsee und Erzgebirge ausgewählt und in einen architekturhistorischen Kontext eingebettet.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

4. Dezember 2019, 19 Uhr

Andrej Platonow – Dshan oder die erste sozialistische Tragödie
Buchvorstellung und Lesung mit dem Übersetzer und
Herausgeber Michael Leetz

Platonow gilt als prophetischer Schriftsteller, der die Tragödie der Sowjet­union vorausgesehen hat. Doch bis heute ist unbekannt, dass sein literarisches Schaffen zugleich ein hochaktuelles ökologisches Denken durchzieht. Die Texte im Buch reichen von Platonows früher Publizistik, in der er die Nutzung der Sonnenenergie propagiert, bis zum Essay «Über die erste sozialistische Tragödie» (1934), einem ökologischen Schlüsseltext des 20. Jahrhunderts. Der Roman Dshan (1935) erweist sich als Utopie von einer Menschheit, die es vermag, die Gefahr ihres selbstverschuldeten Untergangs zu bannen.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin