Max Lingner

Max Lingner: Illustration in Monde vom 17. Februar 1934

Veranstaltungsprogramm Herbst/Winter 2018
Unser aktuelles Programm ist hier auch als PDF abrufbar.

Kooperation mit dem Centre Marc Bloch Berlin
Für die Erforschung der Frankreichzeit Max Lingners besteht seit Januar 2018 eine Kooperation mit dem Centre Marc Bloch. Hier finden Sie die Max-Lingner-Forschungsstelle am CMB. Wir halten Sie über die Entwicklung auf dem Laufenden.

17. Oktober 2018, 19 Uhr

Erinnerung an Lothar Kühne 3
Behutsamkeit und Solidarität
Vortrag von Martin Küpper

Ein zentraler Stützpfeiler der politischen Ästhetik Lothar Kühnes ist die Kategorie der Behutsamkeit. Der behutsame Umgang mit den Gegenständen meint ein freies Verhältnis, das den Druck der Verunsicherung, die Zwänge der Vergeudung und die bloße Sorge um ihren Erhalt nicht mehr kennt. Er ist eine Voraussetzung für die kommunistische Beziehung der Menschen zueinander, doch nicht ohne ihr politisches Komplement, die Solidarität, zu verwirklichen. «Freies Verhalten zu ihren Gegenständen können die Menschen nur durch die freie Assoziation bilden», schreibt Lothar Kühne. Das Potenzial dieser Spannung möchte der Vortrag ausloten.

24. Oktober 2018, 19 Uhr

Soziale Wohnutopie 68
Vortrag von Felicita Reuschling

Die Bewegung um 1968 trat ein für Demokratisierung und eine Emanzipation sozialer Beziehungen in der Gesellschaft. Auch in Architektur, Stadtplanung und Wohnformen wurde das sogenannte «Private» des Alltagslebens nicht nur von FeministInnen kritisch in den Blick ­genommen. Wohnutopien 68 forderten Partizipation und Selbstverwaltung. Kommunen, Wohngemeinschaften, Jugendwohnprojekte und Kinderläden erprobten integrative und plurale Alternativen zu Kleinfamilie und autoritärer Fürsorgeerziehung, deren Impulse für eine Diskussion gegenwärtiger Wohnbedarfe und Wohnformen vorgestellt werden.

7. November 2018, 19 Uhr

Rudolf Schottlaender: Deutschsein fünfmal anders. Erinnerungen eines Unangepassten
Lesung und Gespräch mit Dr. Irene Selle und Moritz Reininghaus, den Herausgebern der Autobiografie (Berlin 2017)

Rudolf Schottlaender (1900–1988) resümiert sein ebenso wechselvolles wie standhaftes Leben von den «deutschjüdischen Anfängen im Kaiserreich» über die Weimarer Zeit, die rassische Verfolgung in der Nazizeit, die ihm widerfahrenen Zumutungen des Kalten Krieges in Ost und West bis hin zu den produktiven Jahren in der DDR. Dort war der Philosoph, Altphilologe und Übersetzer jedoch «nur halb willkommen», wurde sicherheitspolizeilich überwacht und entwickelte sich durch seine couragierte Haltung zum Inspirator oppositioneller ­Kreise. Philosophisch von der Stoa, Spinoza und Goethe geprägt, aber auch seinen Zeitgenossen Günther Anders und Hannah Arendt verbunden, verschaffte er seiner kritischen Stimme grenzüberschreitend Gehör. Sein auf Vermittlung, Toleranz und Gerechtigkeit ausgerichtetes Denken ist von überraschender Aktualität.

14. November 2018, 19 Uhr

Architekturvortrag 24
Die immer Neue Altstadt —
Ein kritischer Blick auf den Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt

Vortrag von Philipp Sturm (Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main)

Die Altstadt von Frankfurt am Main ist reich an Geschichte der Architektur und deren politischer Instrumentalisierung für Identität und ­Tradition. Ende des 19. Jahrhunderts begann mit dem Einzug der ­Moderne der bis heute andauernde architektonische und städtebau­liche Wandlungsprozess — stets begleitet durch kontroverse Debatten. Nach ihrer Zerstörung 1944 entbrannte in der Nachkriegszeit ein heftiger Rekonstruktionsstreit. In den 1950er Jahren entstanden moderne Bauten und 1974 das Technische Rathaus. Mit dem Abrissurteil für das Technische Rathaus setzte 2005 eine neue hoch politisierte Kontroverse ein …

21. November 2018, 19 Uhr

Die Berliner Universitätsphilosophie im 20. Jahrhundert: Kontinuität in Umbrüchen
Vortrag von Prof. Dr. Hans-Christoph Rauh

Die Geschichte der Berliner Universitätsphilosophie (von Eduard Spranger «Berliner Geist» genannt) wird während dreier radikaler ­politischer Umbrüche in den Blick genommen: 1933/36, 1945/48 und 1989/95. Worin stimmen diese mehrfachen Eingriffe, Abwicklungen und Neugründungen möglicherweise strukturell, personell und sogar vereinzelt thematisch überein, worin unterscheiden sie sich aber trotzdem grundsätzlich und wohin führten sie jeweils in philosophischer Hinsicht?—Zumeist trotz aller wiederholt anfänglich deklarierten «Erneuerung» letztlich stets zurück zur philosophischen Konti­nuität und Tradition.

5. Dezember 2018, 19 Uhr

Gott wohnt im Wedding
Lesung und Gespräch mit Regina Scheer

In dem neuen Roman von Regina Scheer, der Anfang 2019 im ­Penguin Verlag erscheinen wird, geht es um ein Haus in der Utrechter Straße im Wedding, vor dem 1933 der Hitlerjunge Walter Wagnitz ermordet wurde, ­angeblich von Kommunisten. Noch gibt es eine alte Hausbewoh­nerin, die sich an die Wahrheit erinnert, über die nie gesprochen wurde. In der ­Gegenwart löst das über hundert Jahre alte Haus Begehrlichkeiten bei Investoren aus; um die alteingessenen Mieter zu vertreiben, werden Roma aus Rumänien in die leeren Wohnungen gesetzt, die ­voller Hoffnung und Illusionen nach Deutschland kamen. Regina Scheer erzählt vom Daseinskampf dieser Menschen, ihrer Not und ihrer Lebenskraft in verschiedenen Handlungssträngen, die einander berühren, ohne dass die Prota­gonisten es immer wissen.