Max Lingner

Max Lingner, Illustration in La Vie Ouvrière vom 20. Januar 1938, S.1

Das aktuelle Veranstaltungsprogramm hier als PDF

Vorschau Ausstellung

14. März – 20. Mai 2020

Max Lingner. À la recherche du temps présent
Eine Ausstellung der Max-Lingner-Stiftung
im Musée de l’histoire vivante Montreuil (Seine Saint-Denis)

«Der Darsteller des Pariser Arbeiters konnte Lingner nur werden, weil er ein maître de la réalité ist, Wirklichkeitsbeobachter, Wirklichkeitsfanatiker, versessen darauf, festzuhalten, was ist. Das gibt auch seinen Bildern den Halt, sie sind gestaltetes Leben, sie haben Elan ohne falsches Pathos.» (Paul Westheim, 1939 in der Pariser Tageszeitung anlässlich einer Ausstellung Lingners in der Pariser Galerie Billiet)

Mit der Ausstellung gelingt es der Max-Lingner-Stiftung, das Werk Lingners erstmals seit 1973 wieder in Frankreich zu zeigen.

Basierend auf der in Kooperation mit dem Centre Marc Bloch konzipierten gleichnamigen Ausstellung wird die Schau für das Museum in Montreuil um eine größere Anzahl von Pressezeichnungen/Originalzeitungen aus den Beständen des Museums erweitert. Sie erinnert an die produktive und bewegte Zeit, die Lingner in Frankreich verbrachte (1928–1949), zeigt seine Involviertheit als zeichnerischer Chronist des Front Populaire in den 1930er Jahren und macht Verbindungen zwischen seiner Arbeit in Paris und nach der Rückkehr in Ost-Berlin kenntlich.

12. Februar 2020, 19 Uhr

Eugen Ruge liest aus seinem neuen Buch Metropol
Anschließend im Gespräch mit Dr. Wladislaw Hedeler

Acht Jahre nach dem internationalen Erfolg von In den Zeiten des abnehmenden Lichts kehrt Eugen Ruge zurück zur Geschichte seiner Familie. «Während der Arbeit an meinem Familienroman wurde mir mehr und mehr bewusst, dass die Metropol-Geschichte den formalen Rahmen des Buchs sprengen würde. Ich beschloss, sie auszuklammern und vielleicht irgendwann eine Novelle daraus zu formen.» Sie handelt vom Schicksal der deutschen Kommunistin Charlotte Germaine und ihres Mannes Hans, die in den Jahren des Großen Terrors in Moskau für den Nachrichtendienst der Komintern tätig sind. Nach ihrer Rückkehr in die DDR schwiegen beide über ihre Erlebnisse in der Sowjetunion. Anhand der in Moskau überlieferten Akten rekonstruiert Eugen Ruge die Moskauer Jahre seiner Großeltern, die ein Leben lang daran gearbeitet hatten, sie aus ihrem und unserem Gedächtnis zu löschen.

19. Februar 2020, 19 Uhr

Architekturvortrag 23
«Wir bauen für sie keine Kirchen und Villen.»
Mies van der Rohe und das «Rote Bauhaus» 1930–1933

Vortrag von Prof. Dr. Magdalena Droste

Schon vor seinem Amtsantritt am 5. August 1930 als neuer Bauhaus-Direktor schlug Mies die Ablehnung linker Studenten entgegen, die auf der Seite seines entlassenen Vorgängers Hannes Meyer standen. Ihr Widerstand sollte bis zur Schließung des Bauhauses 1933 in Berlin anhalten. Wie reagierte Mies darauf? Wie überlebte das «rote Bauhaus» von Hannes Meyer? Mehrfach relegierte Mies protestierende Studenten. Im Gegenzug favorisierte er Studenten aus den USA und England. Im Architekturunterricht standen sich die Planungen zur Stadt Dessau und ideale Wohnhaus-Projekte gegenüber. Der Vortrag intendiert ein re-reading der Bauhausjahre unter Mies van der Rohe.

26. Februar 2020, 19 Uhr

Aufbruch in den Osten —
Österreichische Migranten in Sowjetisch-Kasachstan

Vortrag von Josef Vogl (Wien),
anschließend im Gespräch mit Dr. Wladislaw Hedeler

Im März 1926 gründeten österreichische Auswanderer eine Kolonie in der Nähe der damaligen Hauptstadt von Kasachstan. Armut und der Mangel an Arbeitsplätzen waren die ausschlaggebenden Motive für die Emigration. Die Regierung in Österreich gewährte finanzielle Unterstützung, um Arbeitslose und lästige Demonstranten loszuwerden. Die sowjetische Seite war indessen an Devisen und Agrartechnik interessiert. Bereits nach einem Jahr wurde die Kolonie aufgelöst. Josef Vogl fragt nach den Gründen und skizziert die Lebenswege der in der UdSSR verbliebenen Kolonisten.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

4. März 2020, 19 Uhr

Architekturvortrag 30
L’Ostmoderne. Aspekte zu Fragen der Identität
Vortrag/Diskussion mit Elias Schau (Alumni)
und Prof. Joachim Schultz-Granberg (Münster School of Architecture)

Unabhängig von demografischen und wirtschaftlichen Vorzeichen werden viele bauliche Zeugnisse der DDR oft abgerissen. Dies ist häufig baukulturell, ökonomisch und nicht zuletzt ökologisch kaum zu argumentieren. Es entsteht der Eindruck eines Paradigmas pauschaler Ignoranz und eines anscheinend grenzenlosen Vertrauens in eine bessere Qualität von Neubauten, was oft nicht der Fall ist. Im Rahmen einer Studienarbeit an der Münster School of Architecture widmete sich Elias Schau (*1992) aus einer jungen Perspektive einem Teil seiner Geschichte, den es nicht mehr gibt und zeigt Vorschläge für den Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR.

18. März 2020, 19 Uhr

Relocating Memories
Videopräsentation und Gespräch mit Luise Schröder (Leipzig)

In ihren Arbeiten, Videos und Publikationen setzt sich die Künstlerin Luise Schröder mit der Rekonstruktion und Instrumentalisierung von Geschichte in der Gegenwart auseinander. Sie studierte Fotografie und Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und ist seit 2018 Jury-Mitglied des Hans-und-Lea-Grundig-Preises. Im Max-Lingner-Haus wird sie ausgewählte Videoarbeiten präsentieren und anschließend über Fragestellungen im Umgang mit historischen Narrativen und Formen des Gedenkens und Erinnerns im Feld der Zeitgenössischen Kunst sprechen.

25. März 2020, 19 Uhr

Architekturvortrag 31
Poetischer Funktionamlismus
Vortrag von Prof. Dr. Simone Hain

Im Kontrast zu Deutschland, wo das «Neue Bauen», und insbesondere Bauhaus und Funktionalismus, immer als suspekte Bedrohung wahrgenommen und kritisiert worden sind, hatte Tschechien keine Hemmungen, die Moderne als Ausdruck nationaler kultureller Identität zu umarmen. Hier entfaltete sich über sieben Generationen hinweg eine kontinuierliche Tradition, auf deren Höhepunkt der Funktionalismus im Prager Frühling als Ästhetik des Reformsozialismus proklamiert werden konnte. Der Vortrag erläutert an Beispielen von Räumen und Gegenständen die Spezifik der poetischen Variante des Funktionalismus als einer, auch widerständigen, kulturpolitischen Programmatik «von unten».

1. April 2020, 19 Uhr

Der «Cézannist» Otto Hettner
an der Dresdner Kunstakademie

Vortrag von Kati Renner (TU Dresden)

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Otto Hettner (1875–1931) erhielt 1919 an der Dresdner Kunstakademie eine Professur für Malerei. Zu seinen rund 50 Schüler*innen zählten u.a. Hans Grundig, Hans Jüchser, Fritz Tröger und Hilde Goldschmidt. Mit der Berufung erhoffte sich die Akademieleitung neue Impulse und einen Anschluss an aktuelle, internationale Tendenzen. Hettner hatte zuvor zahlreiche Jahre in Paris und Florenz verbracht und mit farbkräftigen Werken nicht nur in Dresden Aufsehen erregt. Der Vortrag untersucht sowohl Hettners Wirken an der Akademie, als auch seine Rezeption anhand ausgewählter Werkbeispiele.

22. April 2020, 19 Uhr

«Du mit Deiner frechen Schnauze»
Reinhold Andert und Matthias Biskupek lesen Renate Holland-Moritz

Als die Eulenspiegelautorin und weltweit am längsten aktive Kinokritikerin starb, hinterließ sie viele Briefe, an sie und von ihr. Voller Beschimpfungen und Lobhudeleien. Daraus ein Buch zu machen, gelang ihr nicht mehr. Die Herausgeber als gute Freunde fühlten sich verpflichtet, erklärten, kürzten und fügten Klatsch hinzu.
Das Buchregister verzeichnet 220 prominente und normale Personen, von Joan Baez und Ottokar Domma bis Harald Juhnke und Gisela Steineckert, von Herbert Köfer bis Bob Dylan, von Eva Strittmatter bis Dieter Mann, Lothar Kusche, Ursula Karusseit, Franziska Troegner, Fred Wander usw. Die Besucher des Abends werden sich im Kreise guter Bekannter fühlen.

29. April 2020, 19 Uhr

Konrad Wolf. Chronist im Jahrhundert der Extreme
Lesung und Gespräch mit Antje Vollmer und Hans-Eckardt Wenzel

Er war der bedeutendste Filmregisseur der DDR, Präsident der Akademie der Künste, Sohn des Schriftstellers, Arztes und Kommunisten Friedrich Wolf und seiner Frau Else — und Bruder des Auslandsgeheimdienstchefs Markus Wolf. Konrad Wolfs Filmerzählungen machen ihn zum Chronisten der DDR und des eigenen dramatischen Lebens, das immer dem Schicksal der Familie und deren Traum vom Sozialismus in einem «anderen Deutschland» verbunden blieb. Dreißig Jahre nach dem Ende der DDR schauen Antje Vollmer und Hans-Eckardt Wenzel mit ihren sehr unterschiedlichen Erfahrungen zurück auf das Leben und Werk von Konrad Wolf.

6. Mai 2020, 19 Uhr

«Brücke sein: vielleicht schaff ich’s.»
Die Übersetzerin Hilde Angarowa (1908–1999)

Vortrag von Andreas Tretner

Die Angarowa zählte zu den meistbeschäftigten ÜbersetzerInnen sowjetischer Literatur ins Deutsche. Das Besondere: ihr gesamtes Werk entstand in Moskau — fern der Leser. Ihr späterer Kollege, der Übersetzer Andreas Tretner, hat ihre Jahrhundertbiographie zusammengetragen: von der Cottbuser Kindheit über die wilden Berliner Jahre ins Moskau der 1930er, durch das Fegefeuer von «Säuberung» und Krieg, bis in die Exklusivität einer deutschen Übersetzerin im sowjetischen Schriftstellerverband. Am allerwenigsten bekannt: ihre langwährende Bekanntschaft mit Johannes R. Becher.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

13. Mai 2020, 19 Uhr

«Wenn ich arbeite, kann ich mich betäuben …»
Der Briefwechsel von Hans und Lea Grundig.
Ein Forschungsprojekt

Vortrag von Kathleen Krenzlin

Über 30 Jahre — von 1925 bis 1958 — haben sich Hans und Lea Grundig in Zeiten der Trennung intensive Briefe geschrieben. Etwa 700 davon sind im Archiv der Akademie der Künste erhalten. Es sind Liebes- und Künstlerbriefe, die zugleich von den dramatischen Ereignissen des vorigen Jahrhunderts, von Verfolgung und Gefangenschaft, Flucht und Exil berichten, vom Niedergang politischer Utopien und der Zerstörung privater Hoffnungen. Die Hans-und Lea-Grundig-Stiftung plant eine dreibändige Edition. Der Vortrag gibt einen Einblick in die editorische Arbeit und fragt auch nach dem Verhältnis dieser Briefe zu den von beiden Künstlern vorgelegten Autobiographien.

20. Mai 2020, 19 Uhr

Die gelobten Länder: Amerikanische Individualitätsmoderne und
sowjetische Kollektivmoderne

Vortrag von Eckhart Gillen

Fordismus und Leninismus im Vergleich: Die sowjetische Kollektivmoderne kopierte bis ins Detail die Methoden und Verfahren, den Stil und die Dynamik der amerikanischen Individualitätsmoderne. Henry Fords autarkes Fabrikimperium als Staat im Staat steht Lenins Konzeption des Staates als Fabrik gegenüber. Auf den Bildern des modernen Lebens in Amerika sind zumindest in den 1920er Jahren keine Menschen oder nur winzig kleine, ameisenhafte Figuren zu sehen. In der Sowjetunion dagegen steht der Mensch im Mittelpunkt, er ist der Beweger der Maschinen, mit denen die Grundlagen des zukünftigen gesellschaftlichen Reichtums im Kommunismus geschaffen werden.

27. Mai 2020, 19 Uhr

Frans Masereel — Hanns Conon von der Gabelentz —
Entstehung der Sammlung und der Bibliographie

Vortrag von Leopold von der Gabelentz

In seinem Vortrag geht der Sohn nicht nur auf die reine Sammlertätigkeit seines Vaters ein, sondern schildert auch das gesellschaftliche und politische Umfeld, in dem die Sammlung ihren Ursprung nahm und sich im Laufe eines ganzen Lebens entwickelte. Er schildert auch die ersten Versuche der Erstellung einer Bibliographie des Masereel’schen Oeuvres vom Ende der 1920er Jahre an bis zur Veröffentlichung 1975. Der Vortrag unternimmt auch den Versuch, die in der Literatur bisher kaum beachtete Beziehung zwischen Masereel und Max Lingner während ihrer gemeinsamen Zeit in Paris ab 1928 zu skizzieren.

In Kooperation mit Helle Panke/Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

10. Juni 2020, 19 Uhr

Ernst Ludwig Kirchner: Bohème-Identität, Exilerfahrung
und Bekenntnis zum «Nationalen Aufbruch»

Vortrag von Christian Saehrendt (Thun, Schweiz),
anschließend im Gespräch mit Eckhart Gillen

Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) gilt als Ikone des deutschen Expressionismus, aber auch als vielschichtige, politisch ambivalente Persönlichkeit. Seine Vita war essentiell geprägt von der Spannung zwischen Bohème-Identität und nationaler Sendung, von der Diskrepanz zwischen einem eigensinnigen, eigentlich apolitischen und rebellischen Künstlerindividualismus und apodiktisch verkündeten Ressentiments, die nur zu gut zum totalitären Zeitgeist passten. Auf der Basis seiner Briefwechsel und Schriften zeichnet der Vortrag Kirchners Leben im Schweizer Exil nach, wohin er sich 1917 geflüchtet hatte, um dem Kriegsdienst zu entgehen.